Internet-Einkauf:Amazon erwartet ein Abflauen des Online-Booms

FILE PHOTO: The logo of Amazon is pictured inside the company's office in Bengaluru

Das Internetkaufhaus Amazon hat von den Geschäftsschließungen während des Lockdowns profitiert - nun rechnet der Konzern mit einem Rückgang des virtuellen Einkauf-Booms.

(Foto: Abhishek Chinnappa/REUTERS)

Der größte Onlinehändler der Welt rechnet mit weniger Wachstum. Die Aktie bricht ein und reißt weltweit andere Onlineportale mit in den Sog.

Von Michael Kläsgen

Es ist Sommer, Corona wütet nicht mehr ganz so heftig wie noch vor wenigen Monaten. Viele Menschen gehen wieder einkaufen, die Geschäfte haben offen, und all das spiegelt sich an den Börsen wider. Dort bot sich am Freitag ein bislang seltener Anblick. Wer sich die Top-und-Flop-Liste des amerikanischen Börsenindizes Nasdaq 100 anschaute, fand am unteren Ende der Liste diesmal einen Namen, der in den vergangenen Monaten meist ganz oben in der Tabelle stand: Amazon.

Ist das nur ein vorübergehendes Phänomen, das dem Schwanken der Börsen geschuldet ist, oder der Anfang einer Trendwende?

Die nach Börsenschluss in den USA veröffentlichte Erklärung Amazons ist da recht deutlich. Sie hat natürlich keine Bedeutung für die dauerhafte Entwicklung des Aktienkurses, und ist doch von Gewicht: Der Internetkonzern erwartet ein Abflauen des Shopping-Booms im Internet. Es geht hier ausschließlich um die außergewöhnlich große Wachstumsdynamik der vergangenen Monate. Dass der Onlinehandel weiter auf hohem Niveau bleiben wird, auch in Deutschland, das ist unter Experten unbestritten. Doch mit dem Hype scheint es erstmal vorbei zu sein. Nach der Mitteilung Amazons brach der Aktienkurs des Unternehmens noch nachbörslich um zeitweise mehr als sieben Prozent ein. Eine Amazon-Aktie war "nur" noch gut 2800 Euro wert.

Das Umsatzwachstum Amazons war schon in den vergangenen Monaten stärker zurückgegangen, als es viele Analysten erwartet hatten. Und das lag nicht nur an den wieder geöffneten stationären Läden. Registriert hatten Marktbeobachter auch, dass die diesmal im Juni veranstaltete Rabattschlacht Prime Day hinter den Erwartungen zurückblieb.

Amazon teilte zudem mit, dass die Menschen wohl auch in den kommenden Monaten nicht mehr ganz so viel Geld auf seiner Plattform ausgeben werden, wie noch vor einem Jahr. Amazon geht "nur" noch von einem Plus von etwa 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus, was zwar objektiv und im Vergleich zu anderen Firmen viel ist. Aber für Amazon-Verhältnisse eben doch weniger als vorher - und darauf kommt es an der Börse an. Kein guter Start also für den neuen Firmenchef Andy Jassy, der Anfang Juli den Posten von Amazon-Gründer Jeff Bezos übernommen hat, der es vorzieht, zwischendurch mit seiner New Shepard durch andere Sphären zu rauschen.

Weil sein irdisches Lebenswerk so riesige Dimensionen angenommen hat, riss der Aktiensturz von Amazon auch andere Online-Firmen mit in den Abwärtssog.

In Deutschland verloren vor allem die Aktien des Online-Modehändlers Zalando an Wert, zeitweise um mehr als vier Prozent. Auch die Einrichtungsplattformen Westwing und Home24 waren unter Druck. Allerdings waren die Ausschläge nicht groß.

International sah es ähnlich aus. Die Aktien von Onlinefirmen wie Alibaba, Jd.com, Shopify, Ebay oder Mercado Libre waren alle im Minus, obwohl die Indizes im Plus waren. Nicht alle gerieten nur wegen Amazon in den Abwärtsstrudel. Manche haben auch Probleme, die andere Facetten des abflauenden Internetbooms aufzuzeigen. Die Facebook-Aktie etwa sackte ab, nachdem der Social-Media-Konzern bekannt gegeben hatte, dass sich das Wachstum der Werbeanzeigen auf der Plattform abgeschwächt hat. Wie Google oder Apple hatte auch Facebook während der Corona-Pandemie massiv davon profitiert, dass Werbetreibende die Menschen im Internet erreichen wollten und dafür die Ausgaben erhöhten. Auch hier könnte der Trend gebrochen sein.

Ungeachtet dessen hat sich der Onlinehandel auf einem hohen Niveau etabliert. Nicht ausgeschlossen, dass der Boom im Herbst neu entfacht wird. Die Aktienkurse werden es zeigen.

© SZ
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