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Amanda Palmer:"Kunst ist kein Produkt nach Kundenwunsch"

Mit ihren Fans teilt Amanda Palmer alles: ihre Geldsorgen genauso wie ihre früheren Abtreibungen oder ihre Abscheu für Donald Trump.

(Foto: imago stock&people)

Die Musikerin und Polit-Aktivistin Amanda Palmer verdiente ihr Geld früher als Domina. Heute sammelt sie per Crowdfunding bei ihren Fans Millionen für ihre Projekte und ihre Kunst - "indem ich mit ihnen rede".

Als Rockstar hatte Amanda Palmer es schon geschafft: Plattenvertrag, Welttournee mit den Dresden Dolls, das volle Programm. Dann hatte sie keine Lust mehr. "Ich habe einfach gemerkt, dass meine Arbeit mit dem Label nicht funktionierte", sagt Palmer. Dafür lief der Kontakt mit den Fans umso besser.

Seitdem sind sie diejenigen, die Palmers Arbeit und ihr Leben finanzieren, ganz direkt: 2012 sammelte Palmer für ein Soloalbum von ihren Fans 1,2 Millionen Dollar per Crowdfunding ein. Inzwischen erhält sie mehr als 36 000 Dollar von treuen Unterstützern, jedes Mal wenn sie etwas Neues veröffentlicht. Wie sie das macht? "Indem ich mit ihnen rede", sagt Palmer. Dass sie dadurch abhängig wird, glaubt sie nicht: "Kunst ist kein Produkt nach Kundenwunsch."

Die 40-jährige Amerikanerin ist fast schon gnadenlos offen. Mit ihren Fans teilt sie ihre Geldsorgen genauso wie ihre früheren Abtreibungen oder ihre Abscheu für Donald Trump. Es ist ein Dialog, der schon seit einem Jahrzehnt läuft, über ihren Blog, Facebook, Twitter. "Könnte ich leben, ohne zu kommunizieren? Nein. Ich würde mir die Pulsadern aufschneiden, weil ich so einsam wäre", sagt Palmer. Das Finanzielle sei dabei aber nur ein Bestandteil der Unterhaltung. "Wenn du als Künstler nur um Geld bitten würdest, hättest du es nicht verstanden."

Musikerin - und Kellnerin, lebende Statue, Stripperin

Ein ganzes Buch hat sie geschrieben über diese "Kunst des Bittens". Entscheidend sei, weder zu verlangen noch zu betteln. "Das ist sehr schwer, wenn man etwas wirklich dringend braucht." Auch für sie. Palmer ist mit dem erfolgreichen britischen Schriftsteller Neil Gaiman verheiratet. Es sei "ziemlich blöd, mit jemandem zusammen zu sein, der wesentlich mehr Geld hat, auch wenn ich nie von ihm abhängig war", sagt Palmer - gerade für eine Feministin.

Aber wie schnell es finanziell eng werden kann, weiß Palmer aus Erfahrung. Als Studentin jobbte sie als Kellnerin, später stand sie jahrelang als lebende Statue in Fußgängerzonen und arbeitete zwischendurch als Stripperin. "Ich war auch mal Domina - ein sehr gut bezahlter Job", erzählt sie. Im Zimmer nebenan spielt ihr kleiner Sohn.

Lesen Sie das ganze Interview mit Amanda Palmer hier - mit SZ plus:
Musik "Ich war auch mal Domina - ein sehr gut bezahlter Job"

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"Ich war auch mal Domina - ein sehr gut bezahlter Job"

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