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Altersvorsorge:Heute jung, morgen arm - der Renten-Irrweg

Frühling in Passau

Rente und Altersvorsorge: Passauer sonnen sich am Inn-Ufer (Archiv)

(Foto: dpa)
  • Experten erwarten, dass heute junge Menschen im Alter deutlich niedrigere Renten erhalten werden als Senioren heute.
  • Bereits im Bundestagswahlkampf 2017 dürfte die Reform der Altersvorsorge ein großes Thema werden.

Vorhersagen, erst recht, wenn sie etliche Jahre voraus reichen, sind ein schwieriges Unterfangen. Das gilt auch für das Thema Rente. Sicher ist aber eins: Je jünger ein Arbeitnehmer ist, desto weniger kann er in Zukunft von seiner gesetzlichen Rente erwarten. Warnrufe gibt es deshalb schon lange, aus ganz verschiedenen Ecken. Schon die frühere Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schlug Alarm: "Es steht nicht mehr und nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems für die junge Generation auf dem Spiel." Der Generalsekretär des Staatenbundes OECD, Angel Gurría, prognostiziert: "Deutschland bekommt ein Problem mit der Altersarmut." Rentenexperten rechnen vor: Wer in etwa 25 Jahren Altersgeld kassiert, bekommt etwa 20 Prozent weniger Leistungen als einer, der soeben das Berufsleben beendet hat.

Doch langsam formiert sich der Widerstand gegen den Fall des Rentenniveaus, den die frühere rot-grüne Bundesregierung beschlossen hatte, um die Beiträge für die jüngere Generation einigermaßen stabil halten zu können. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wird im Spätsommer eine millionenschwere Kampagne für höhere Renten starten. Und auch in der großen Koalition werden Rufe nach einem Kurswechsel laut.

Ein Durchschnittsverdiener muss 26,5 Jahre für eine Rente auf Hartz-IV-Niveau arbeiten

Einst lag das Niveau des gesetzlichen Altersgeldes netto und vor Abzug von Steuern bei deutlich mehr als 50 Prozent (siehe Grafik) eines Durchschnittsverdienstes. Die Rentenversicherung rechnet dabei mit einem Standardrentner, der 45 Jahre lang zum Durchschnittslohn (derzeit 3022 Euro im Monat) gearbeitet hat. Dieses Sicherungsniveau wird nach Angaben der Bundesregierung von knapp 48 Prozent in diesem Jahr auf etwa 44 Prozent bis 2030 sinken. Und danach dürfte es weiter auf unter 40 Prozent im Jahr 2040 fallen.

Für Karl-Josef Laumann, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in der CDU, ist daher klar: "Wer über die Rente redet, sollte auch über die Zukunft des Rentenniveaus reden." Dessen Senkung könne langfristig "das Vertrauen in die Rentenversicherung untergraben", sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Gleiches gilt für den Fall, dass jemand, der keine oder kaum Rentenbeiträge gezahlt hat, aus der staatlichen Grundsicherung womöglich genauso viel erhält wie jemand, der jahre- und jahrzehntelang in die Rentenkasse eingezahlt hat."

Im Moment beläuft sich die staatliche Grundsicherung im Alter (sozusagen das Hartz IV für Rentner) laut Statistischem Bundesamt auf durchschnittlich 773 Euro. Laumann spielt nun darauf an, dass ein Durchschnittsverdiener bereits 26,5 Jahre arbeiten und entsprechend Rentenbeiträge zahlen muss, um diese Höhe zu erreichen. In Zukunft wird so ein Muster-Arbeitnehmer dafür wohl noch einige Jahre draufsatteln müssen. Üppige Rentenerhöhungen wie in diesem Jahr von mehr als vier Prozent im Westen und fast sechs Prozent im Osten ändern daran nichts, weil die Löhne langfristig stärker steigen werden als die Renten.

In der SPD wächst deshalb auch die Sorge um das Alterssicherungssystem. "Wir müssen die gesetzliche Rentenversicherung stärken und das Rentenniveau wieder anheben", fordert Klaus Barthel, Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Er begründet dies mit der Erkenntnis, dass "die Riester-Rente gescheitert ist".

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