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Altersvorsorge:Die Mischung macht's

Wer für das Alter vorsorgen und Vermögen aufbauen will, kommt nicht an der Börse vorbei. Mit Investmentfonds lassen sich die Risiken breit streuen. Doch Anleger sollten sich gut informieren und auf die Kosten achten.

Von Stephan Radomsky

Sparen bringt gerade einfach nichts. Zumindest, wenn man es so macht wie Vater und Großvater: mit dem Sparbuch. Wann diese Phase der Mini-Zinsen in Europa endet, ist nicht absehbar. Schnell dürfte es jedenfalls nicht gehen. Wer für sein Alter vorsorgen und dabei real, also auch abzüglich der Inflation, Vermögen aufbauen will, der kommt deshalb an der Börse nicht vorbei. Dabei alles auf eine Karte zu setzen, wäre aber keine gute Idee. Das Risiko wäre einfach viel zu hoch. Als Beispiel sei nur der 40-Prozent-Absturz der VW-Aktie nach Bekanntwerden der manipulierten Abgaswerte genannt. Und selbst ein kleines Portfolio von Einzelwerten reicht nicht aus, um die Risiken so breit zu streuen, dass Verluste nicht völlig aus dem Ruder laufen.

Nicht ohne Grund steckte also Ende 2014 mehr als die Hälfte der insgesamt 840 Milliarden Euro, mit denen die deutschen Privathaushalte in Wertpapieren investiert hatten, in Investmentfonds. Und von Januar bis Ende Juli flossen nach Daten des Branchenverbands BVI netto nochmals knapp 50 Milliarden Euro in Publikumsfonds. Besonders viel davon ging zuletzt in Mischfonds, die nicht nur in eine Anlageklasse investieren, sondern das Geld je nach Marktsituation verteilen.

Damit seien sie weniger volatil, flexibler und böten mittelfristig ein besseres Verhältnis von Rendite und Risiko als beispielsweise reine Aktien- oder Rentenfonds, erklärt Thomas Brehmer vom Frankfurter Vermögensberater Brehmer & Cie. Mischfonds sind damit eine sinnvolle Möglichkeit für ältere Anleger, die frei gewordenes Geld relativ sicher und renditeorientiert fürs Alter zurücklegen wollen. "Das funktioniert jedoch nur, wenn das Fondsmanagement hervorragend ist", so Brehmer. Deshalb sollten sich Sparer vor ihrer Entscheidung genau ansehen, wie sich die möglichen Fonds der Wahl in der Vergangenheit in schwierigen Phasen geschlagen haben. Zudem sollte auch hier nicht alles Geld in nur einen Fonds fließen, rät Brehmer. Das streut das Risiko weiter.

Wer jung mit dem Sparen anfängt, hat zwar meist noch keine großen Summen zur Verfügung - dafür aber viel Zeit. Hier bieten sich Fondssparpläne an, bei denen monatlich eine bestimmte Summe angelegt wird. Dabei können Anleger mit langfristigen Zielen hier auch von staatlicher Hilfe profitieren: Riester-Förderung gibt es auch für Fondssparer. Dabei handelt es sich, ähnlich wie bei den Mischfonds, um aktiv gemanagte Fonds. Spezialisten des jeweiligen Anbieters entscheiden jeweils darüber, wohin das Geld fließt.

Prüfenswert seien solche geförderten Angebote auf jeden Fall, vor allem auch wegen eines möglichen positiven Steuereffekts, sagt Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum, einem auf die Ruhestandsplanung spezialisierten Anlageberater. "Aber richtig rechnen muss man schon, denn nicht alles, was glänzt, ist auch von Vorteil für den Sparer", warnt er. Denn die geförderten Fonds verursachen aufgrund des aktiven Managements und der gesetzlichen Vorgaben relativ hohe laufende Kosten, die von den Erträgen abgehen. So sei mit der Förderung auch verbunden, dass die Produkte wenig flexibel sind und oft erst eine wirklich gute Rendite abwerfen, wenn die Sparer sehr alt werden, so Friess.

Eine günstigere Alternative für junge Sparer bieten etwa Riester-geförderte Fondssparpläne, die sich passiver Indexfonds, sogenannter Exchange Traded Funds (ETF), bedienen. Da hier kein aktives Management nötig ist, sind die Gebühren in der Regel niedriger. Allerdings können diese ETF nur den ihnen zugrunde liegenden Index nachbilden, und zwar eins zu eins. Eine flexible, auf aktuelle Ereignisse reagierende Strategie kennen sie nicht.

Egal welches Modell Sparer für ihre Riester-Rente wählen, einen Vorteil haben sie alle: Die vereinbarte Rente fließt bis ans Lebensende des Sparers, egal wie alt er wird und ob das erwirtschaftete Guthaben bis dahin vielleicht schon aufgezehrt ist.

Ein weiterer Vorteil: Fonds zählen in der Regel als Sondervermögen, das heißt im Falle einer Insolvenz der Investmentgesellschaft bleiben sie außen vor, wenn es darum geht, die Gläubiger zu bedienen. Den Fondsanlegern bleibt damit jedoch das Kursrisiko.

Die einst beliebteste Altersvorsorge bietet heute kaum mehr als das Sparbuch

Kaum noch der Rede wert ist dagegen die jahrzehntelang bevorzugte Altersvorsorge der Deutschen: die Kapitallebensversicherung. Dabei handelt es sich im Grunde auch hier um ein spezielles Fondsprodukt. Denn die Zahlungen in die Policen, von denen jeder Deutsche statistisch gesehen mehr als eine besitzt, werden nach bestimmten, teils gesetzlich vorgegebenen Regeln investiert, und die Rendite abzüglich der Kosten landet beim Kunden.

Die hohen Kosten waren dabei bis vor wenigen Jahren kein Problem, die Versicherer erwirtschafteten genug, um trotzdem ordentliche Renditen zahlen zu können. Sie garantierten Neukunden sogar einen Mindestzins für die ganze Vertragsdauer: bis Mitte 2000 etwa mindestens vier Prozent. Das ist viel mehr, als heute irgendeine andere sichere Anlage bietet. Inzwischen sind solche Garantien aber passé. Seit Januar gibt es höchstens 1,25 Prozent. Und das ist kaum besser als das Sparbuch.

© SZ vom 07.10.2015
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