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Alternative Antriebe:Mehr Käufer für Elektroautos

Die Neuzulassungen für rein batteriebetriebene Pkw steigen in Deutschland um zwei Drittel, in China gar um 100 Prozent. Tesla profitiert von der Entwicklung aber offenbar nicht wie erhofft.

Autos mit alternativen Antrieben sind im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland, China und den USA deutlich häufiger gekauft worden als im Vorjahreszeitraum. Am stärksten stiegen die Zulassungszahlen laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC in China: Dort verdoppelte sich der Absatz von reinen Elektro-Fahrzeugen von 132 000 auf mehr als 260 000. In Deutschland stiegen die Neuzulassungen um zwei Drittel (von 9821 auf 17 234). "Zuwachsraten von über 50 Prozent sind in der Automobilindustrie äußerst selten", sagt Felix Kuhnert von PwC, "der Markt scheint jetzt reif zu sein für die Einführung von Premium-Elektrofahrzeugen deutscher Hersteller."

In den USA wuchsen die Verkaufszahlen von 44 000 auf 56 000 Fahrzeuge. Das ist immerhin ein Anstieg von 40 Prozent. Dennoch machte der kalifornische Elektro-Auto-Hersteller Tesla am Wochenende negative Schlagzeilen: Nach einem Bericht des Wall Street Journal forderte das Unternehmen des exzentrischen Gründers Elon Musk von seinen Zulieferern Geld zurück. Vergangene Woche habe Tesla einige seiner Lieferanten angeschrieben mit der Bitte um rückwirkende Rabatte. In den Schreiben werde die Rückzahlung als "Investition" in das Unternehmen Tesla bezeichnet, die ein langfristiges Wachstum beider Geschäftspartner ermögliche. Die Zeitung beruft sich auf eine interne Notiz des Herstellers; Er habe seine Lieferanten gebeten, einen beträchtlichen Teil von seit 2016 gezahlten Geldern zurückzuerstatten, um Tesla zu helfen, profitabel zu werden.

Tesla wollte den Bericht nicht kommentieren. Das Unternehmen teilte aber mit, es habe Zulieferer zu Preisnachlässen aufgefordert, teils für bereits 2016 begonnene Projekte. Dies sei "Standard" in Verhandlungen mit Zulieferern zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Zulieferer-Experte Dennis Virag bezeichnete dieses Vorgehen im Wall Street Journal allerdings als "einfach aberwitzig". Es zeige, "dass Tesla verzweifelt ist". Es komme zwar vor, von Zulieferern während eines laufenden Vertrags Preisnachlässe zu fordern. Völlig unüblich sei es jedoch, Erstattungen nach Abschluss einer Leistung zu verlangen. Das Unternehmen sorge sich um seine Profitabilität, sagte Virag, die seiner Zulieferer sei ihm egal.

Um mögliche Liquiditätsprobleme bei Tesla gibt es immer wieder Spekulationen

Nach dem Medienbericht fiel die Aktie des US-Autobauers an der Börse am Montag zeitweise um vier Prozent. Immer wieder gibt es Spekulationen um Liquiditätsprobleme von Tesla, das Unternehmen verbrennt nach wie vor viel Geld und steckt tief in den roten Zahlen. Alleine im ersten Quartal belief sich der Verlust auf eine Milliarde Dollar. Die Ergebnisse für das zweite Quartal will das Unternehmen am 1. August veröffentlichen. Tesla kämpft schon seit längerem mit Problemen bei der Produktion des neuen Model 3, mit dem Elon Musk den Massenmarkt erobern will. Das Modell soll umgerechnet 30 000 Euro kosten, nach Tesla-Angaben liegen 450 000 Vorbestellungen vor. Doch es gibt auch Berichte, wonach viele Bestellungen wegen der Lieferverzögerungen storniert wurden. Tesla dementiert dies.

2019 will Porsche den rein elektrischen Sportwagen Taycan auf den Markt bringen. In Norwegen kann er bereits vorbestellt werden. Das Interesse ist groß, heißt es aus dem Unternehmen. Auch die bereits auf dem Markt befindlichen Plugin-Hybride sind beliebt; Der Panamera werde zu 70 Prozent als Plug-In verkauft. Daimler verzeichnet bei der S-Klasse einen Anteil von 50 Prozent. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland fast 17 000 Plug-In-Hybride zugelassen - ein Drittel mehr als 2017.

© SZ vom 24.07.2018

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