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Altenpflege:Vollzeitjob - und trotzdem die Eltern pflegen

Millionen Deutsche kümmern sich neben dem Beruf noch um ihre pflegebedürftigen Angehörigen. Wie Betroffene mit diesem Spagat umgehen.

Noch sind sie in der Minderheit: Die Deutschen, die zusätzlich zur Arbeit einen Angehörigen pflegen: Jeder 17. Erwerbstätige und jeder zehnte über 45 Jahren putzt oft nach Feierabend die Wohnung seiner Mutter oder kauft Windeln für den Vater. Der Alltag pflegender Angehöriger ist oft von Stress geprägt. Einerseits wollen sie im Büro präsent sein, ihre Aufgaben erfüllen und Karriere machen. Andererseits fühlen sie sich gegenüber ihren Angehörigen verpflichtet. Das Ergebnis ist eine Doppelbelastung, die oft verborgen bleibt, weil vielen ihre Situation unangenehm ist.

Dabei gibt es bereits viele Angebote von Staat und Unternehmen, die Betroffenen zu unterstützen: Seit 1. Januar 2015 gibt es ein Gesetz zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Es berücksichtigt unter anderem stärker die Folgen von Demenz, ermöglicht kurze Auszeiten für Pflege und längere Pausen vom Job, für die es sogar zinslose Darlehen gibt. Auch Unternehmen reagieren darauf, dass ihre Mitarbeiter nicht nur junge Kinder, sondern oft auch alte Eltern haben.

Ausreichend ist dieses wachsende Bewusstsein allerdings noch nicht, sagen Beobachter: "Betroffenen wird allein durch Diskurse in ihrer Lebensrealität nicht geholfen", sagt Ralf Suhr, Vorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege. Stattdessen brauche man verlässliche Lösungen. Die gelte es, gesamtgesellschaftlich zu finden. Gelinge das nicht, müssten viele zwischen Arbeit und Pflege entscheiden. "Das wäre für uns alle weder menschlich noch ökonomisch gut."

Mehr Unterstützung würde etwa der 50-jährigen Sabine (Name geändert) helfen. Neben ihrem Job bei einem Kosmetikkonzern kümmert sie sich noch um ihre beiden pflegebedürftigen Eltern, die sie "meine Kinder" nennt. Ein Alltag im permanenten Spagat, beschreibt sie ihre Situation.

Wie es zwei Frauen geht, die seit einigen Jahren ihre Eltern betreuen und dennoch arbeiten, in welchen Momenten sie sich mehr Unterstützung wünschen und warum sie trotzdem manchmal laut über ihre Situation lachen, lesen Sie hier.

© SZ/jasch
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