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Altenpflege:Viele Einrichtungen sollen vor allem eins: Gewinn abwerfen

Menschen, die sich heute entschließen, Altenpfleger zu werden, tun das häufig nicht direkt nach der Schule. Sie sind überdurchschnittlich oft Quereinsteiger, Männer und Frauen mit gebrochenen Berufsbiografien. Sie kommen über die Arbeitsagentur in die Pflege. Doch während rund 1000 Euro Azubi-Lohn einem Siebzehnjährigen reichen mag, kann kein Familienvater eine dreijährige Ausbildung überstehen.

Der Staat muss ältere Umschüler einerseits finanziell unterstützen, damit sie sich den Einstieg in den Pflegeberuf leisten können. Andererseits sollten die Arbeitsagenturen offensiv Menschen überzeugen, sich zu einer vollwertigen Ausbildung zu entschließen. Denn bislang belegen Quereinsteiger häufig einen Schmalspurkurs, der sie zu "Pflegeassistenten" oder "Pflegehelfern" macht. Der Pflegenotstand wird aber nicht durch Assistenten gelöst. Deutschland fehlen Fachkräfte.

Der Markt für osteuropäische Betreuerinnen boomt

Ähnlich verhält es sich mit Zuwanderern. Längst boomt ein Markt für meist osteuropäische Betreuerinnen, die mit bestenfalls halblegalen Arbeitsverträgen in die Wohnungen alter Leute einziehen. Viele von ihnen und auch Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, hätten sicher Interesse an einem soliden Job mit guter Perspektive. Auch ihre Weiterbildung sollte erleichtert und dauerhaft gefördert werden.

Der wichtigste Ort, an dem die kommende Regierung für eine bessere Pflege sorgen muss, ist jedoch das Heim selbst. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen in Deutschland gehören mittlerweile privaten Unternehmen, immer öfter sind es große Investoren. Für sie soll eine Einrichtung Gewinne abwerfen. Betriebsräte gibt es in ihren Häusern selten. Altenpfleger leiden hier unter besonders großer Belastung. Nicht selten verlassen sie nach einem solchen Job für immer das Gesundheitswesen. Das spricht sich herum und macht den Beruf nicht attraktiver.

Deshalb ist es wichtig, dass die Politik den Arbeitgebern klare Grenzen setzt. Es fehlen Regeln für eine Mindestanzahl von Arbeitskräften auf den Stationen. Die Bewohner der Heime und ihre Angestellten benötigen ein klares Regelwerk dafür, was gute Pflege bedeutet - damit beide auf ihre Rechte pochen können. Und es braucht endlich strenge Kontrolleure, die regelmäßig mit Pflegern und Pflegebedürftigen sprechen. Nur wenn sich alle auf die Qualität der Heime verlassen können, halten sie sich auch gerne dort auf.

© SZ vom 12.10.2017/mahu
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