Alphabet:Die Geldmaschine läuft und läuft

Der Google-Mutterkonzern Alphabet legt beim Quartalsumsatz um 22 Prozent zu - das Weihnachtsgeschäft hat seinen Teil dazu beigetragen. Trotz aller Kritik an dem Konzern.

Von Helmut Martin-Jung

Kritik an der Datensammelei, Forderungen nach Zerschlagung, Grummeln unter den Mitarbeitern - war da was bei Google? Blickt man aufs Quartalsergebnis des Mutterkonzerns Alphabet, ist davon nichts zu spüren. Im Weihnachtsgeschäft regneten die Werbeeinnahmen nur so herein. Mehr noch, das sechste Quartal in Folge sind die Einnahmen durch Werbung um mindestens 20 Prozent gestiegen, jeweils gegenüber dem Vorjahresquartal. Das muss man erst einmal schaffen. In Zahlen: 8,2 Milliarden Dollar operativer Gewinn bei einem Umsatz von knapp 39,3 Milliarden Dollar. Pro Quartal wohlgemerkt.

Dass die Anleger damit trotzdem nicht zufrieden waren und Google erst einmal mit fallendem Kurs abstraften, liegt an den weiter gestiegenen Investitionen in Technik und Personal. Oder, wie es der Nachrichtendienst Bloomberg formulierte: Es werde für Google immer teurer, Google zu bleiben. Allein in die Ausstattung mit Maschinen für seine Rechenzentren steckte Google 2018 mehr als doppelt soviel Geld wie im Jahr davor.

Es geht aber nicht nur darum, den Status quo zu halten, sondern um mehr. Denn auch der Markt für Werbung, der Google die sprudelnden Einnahmen beschert, ist endlich. Google ist davon in ähnlicher Weise abhängig wie Apple vom Geschäft mit dem iPhone. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass Google zum Beispiel seine Bemühungen verstärkt, im Geschäft mit der Cloud aufzuschließen zu Amazon und Microsoft. Dieser Markt bietet immer noch große Wachstumsmöglichkeiten. Google-Chef Sundar Pichai sprach denn bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen auch mehrmals davon, der Konzern wolle sich beim Cloud-Geschäft fokussieren. Das könnte auch bedeuten, dass andere Projekte heruntergefahren oder gestrichen werden - es wäre nicht das erste Mal, dass der Alphabet-Konzern nach einer gewissen Zeit die Reißleine zieht - so geschehen im vergangenen Jahr mit dem gescheiterten sozialen Netzwerk Google plus.

Alphabets Belegschaft wuchs 2018 auf nahezu 100 000 Mitarbeiter

Bei seinen (größtenteils streng geheimen) anderen Projekten - Google nennt sie halb scherzhaft "andere Wetten" - investiert der Konzern viel Geld. Der operative Verlust dieser Sparte stieg um satte 77 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Es gibt zwar auch Einnahmen aus den anderen Wetten, die sogar um 17 Prozent anstiegen. Aber der dabei erwirtschaftete Umsatz von 154 Millionen Dollar ist nach Google-Maßstäben eher Portokasse.

Ein Teil der Kostensteigerung geht auch darauf zurück, dass Google viel neues Personal eingestellt hat. Die Gesamtbelegschaft wuchs im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf knapp 100 000. Sowohl die Investitionen als auch den Personalaufbau werde man dieses Jahr nicht in diesem Maße fortsetzen, kündigte Alphabets Finanzchefin Ruth Porat an. Wenn es gute Gelegenheiten gebe, werde der Konzern aber auch künftig in Technik oder Talente investieren, nur etwas fokussierter.

Unterdessen berichten US-Medien, dass Google für das unter ihren Angestellten sehr umstrittene Projekt im Auftrag des Pentagons über eine Drittfirma Hilfskräfte engagiert hat, die dabei helfen sollen, eine künstliche Intelligenz zu trainieren. Diese, so heißt es, hätten nicht einmal gewusst, für wen sie da arbeiten. Das Projekt hatte zu Protesten unter Google-Mitarbeitern geführt.

© SZ vom 06.02.2019
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