bedeckt München
vgwortpixel

Alnatura-Chef Rehn:"Nicht Menschen für die Wirtschaft dressieren"

Götz Rehn, Chef der Bio-Kette Alnatura, über die Vertrauenskrise der Lebensmittelwirtschaft, Abfallfette in Nahrungsmitteln - und anderes Denken in der Wirtschaft.

Götz Rehn ist Gründer der größten deutschen Bio-Supermarktkette. Alnatura gehört zu den Profiteuren des Dioxin-Skandals, der die Nachfrage nach Bio-Produkten steigen lässt. Der 60-Jährige fordert ein Umdenken in der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie. Das Geschäft der großen Konzerne kennt er aus eigener Erfahrung. Als Manager arbeitete er sieben Jahre für den Schweizer Nestlé-Konzern; dort brachte er industriell gefertigte Törtchen auf den Markt.

Video "Ich würde gern mal ein Orchester leiten" Video
Interview mit dem Alnatura-Chef Götz Rehn

"Ich würde gern mal ein Orchester leiten"

Wie Alnatura auf die Kritik an der Bezahlung im Unternehmen reagiert udn was Götz Rehn gerne einmal machen würde - der Alnatura-Chef im Video-Interview.

SZ: Herr Rehn, welche Erinnerung haben Sie an das Essen Ihrer Kindheit?

Götz Rehn: Ich hatte sehr großzügige Großeltern. In deren Garten bekam ich ein Stück Land, wo ich selbst etwas anbauen konnte. Ich hatte eigene Himbeeren, Gelbe Rüben und vieles mehr. Der Speiseplan zu Hause war streng geregelt. Ich wusste also immer, was es an welchem Tag zu essen gab. Freitags gab es entweder Kartoffel-, Erbsen- oder Linsensuppe. Das fand ich nicht sehr attraktiv.

SZ: Was hat Ihnen nicht geschmeckt?

Rehn: Als Kind mochte ich keine Tomaten. Als ich mit meinem Vater bei Verwandten in Hamburg war, traute ich mich nicht, das zu sagen. Aus Höflichkeit habe ich dann Tomatensuppe gegessen, allerdings musste ich dann ziemlich schnell den Raum verlassen. Inzwischen esse ich Tomaten gern.

SZ: Kochen Sie selbst?

Rehn: Das ist leider eher die Ausnahme, aber am Wochenende koche ich gern. Neuerdings vor allem vegetarisch.

SZ: Essen Sie aus Überzeugung wenig Fleisch?

Rehn: Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, wie viel Wasser für die Fleischerzeugung benötigt wird. Wasser ist ein lebenswichtiger Stoff, der auf der Erde immer knapper wird. Deshalb habe ich meinen Fleischkonsum eingeschränkt. Mit der Zeit hat das bei mir auch zu einer Veränderung meiner Vorlieben geführt.

SZ: Ursprünglich wollten Sie wie Ihr Vater Mediziner werden. Dann sind Sie als Manager beim Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé eingestiegen. Was hat Sie daran interessiert?

Rehn: Ich habe in den sieben Jahren bei Nestlé sehr viel gelernt, auch wenn ich häufig angeeckt bin, weil ich andere Vorstellungen von Zusammenarbeit hatte. Aber man hat mich dort neue Wege gehen lassen, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich mit dem, was ich tat, einigermaßen erfolgreich war.