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Allianz:Konzern aus China nahm Allianz ins Visier

Allianz Quartalszahlen

Das Logo der Allianz-Versicherung in Unterföhring in Bayern

(Foto: dpa)
  • Die Versicherung Allianz war im Visier des chinesischen Konzerns HNA: HNA hat angefragt, ob ein Einstieg denkbar sei - vielleicht sogar als Mehrheitseigentümer.
  • Seit ein paar Monaten ist HNA bereits Großaktionär bei der Deutschen Bank.

Chen Feng, der Gründer des chinesischen HNA-Konglomerats, ist kein Mann der leisen Töne: "Uns gehören Flugrouten zu Orten, wo nicht einmal Hasen hinscheißen", sagte er einmal in einem Interview. "Der halbe chinesische Luftraum ist unter unserer Kontrolle." In nur wenigen Jahren ist es Chen gelungen, aus einer regionalen Fluggesellschaft einen Mischkonzern zu formen, dessen Verzweigungen sich nur Eingeweihten komplett erschließen. Zwölf börsennotierte Unternehmen gehören dazu, einige Firmen in Europa, außerdem ein Dutzend Flughäfen. Bis 2025 soll HNA zu den zehn größten Konzernen der Welt gehören, deshalb geht Chen weltweit auf Einkaufstour.

Mehr als 40 Milliarden Dollar hat HNA im Ausland investiert. Chinesische Banken gewähren opulente Kreditlinien. Den Regionalflughafen Hahn im Hunsrück hat der Konzern erworben, genauso wie eine Beteiligung an den Hilton-Hotels. 6,5 Milliarden Dollar für 25 Prozent. 2016 übernahm das Unternehmen den US-IT-Großhändler Ingram Micro. Kostenpunkt: sechs Milliarden Dollar. Seit ein paar Monaten ist HNA auch Großaktionär bei der Deutschen Bank. 3,4 Milliarden Euro gab der chinesische Konzern dafür aus.

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Was bislang aber nicht bekannt war: HNA hatte in Deutschland zeitweilig ein noch sehr viel größeres Unternehmen im Visier - die Allianz. Nach SZ-Informationen hat der Konzern direkt beim Management der Allianz angefragt, ob ein Einstieg als Ankeraktionär, ja sogar als Mehrheitseigentümer denkbar sei.

Die Allianz gehört zu den größten Versicherern der Welt. Sie ist an der Börse mehr als 81 Milliarden Euro wert und gilt als systemrelevantes Unternehmen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat daher die Möglichkeit, alle Anteilseigner, die mehr als zehn Prozent halten, auf Zuverlässigkeit, Bonität und Geschäftsgebaren zu prüfen, wohl deshalb sondierten die Chinesen vorher, was möglich ist - und was nicht.

Versicherungen gelten für langfristig denkende Investoren als lohnende Kapitalanlage

In München, wo seit zwei Jahren Konzernchef Oliver Bäte das Sagen hat, war man ziemlich überrascht über die Anfrage aus China. Mit vielem hatte man an der Münchner Königinstraße gerechnet - damit nicht, und lehnte das Ansinnen von HNA nach Rücksprache mit dem chinesischen Staatsfonds CIC, der drei Prozent an der Allianz hält, ab. Auch in der Bundesregierung war man nicht sonderlich angetan von der Idee, dass nach der größten deutschen Bank nun die größte deutsche Versicherung in die Hände von HNA geraten könnte.

Es wäre in der Tat eine seltsame Ironie der Geschichte, wenn in Deutschland eine Art China AG entstünde - also eine neuerliche Querverbindung zwischen den beiden größten Finanzkonzernen des Landes. Solch eine Verstrebung zwischen Allianz und Deutscher Bank hatte es schon einmal gegeben. Sie war über viele Jahrzehnte hinweg ein prägender Teil der sogenannten Deutschland AG, jenes engmaschigen Netzes von Finanz- und Industriekonzernen, das bis Anfang des Jahrtausends die deutsche Wirtschaft beherrschte. Vor gut 15 Jahren wurde die Deutschland AG dann von der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel aufgelöst. Und nun: eine neue, etwas andere Deutschland AG? Eine China AG?