Allianz Keine Kohle mehr in Kohle

Die Allianz will nicht mehr in Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent des Umsatzes mit Abbau oder Energieerzeugung aus diesem fossilen Brennstoff umsetzen.

Von Michael Bauchmüller und Friederike Krieger, Berlin/Köln

Erst zwei Monate ist es her, da schlug Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, Alarm. Der Klimawandel, so sagte er in einer Rede, bedrohe zunehmend auch die Versicherer. Das aber nicht, weil sie künftig mehr Schäden regulieren müssten, die auf Stürme oder Hochwasser folgen, sondern wegen ihrer Investments. Denn um den Klimawandel zu stoppen, um die Erderwärmung bei zwei Grad plus zu stabilisieren, müsse ein Großteil der bekannten Vorräte an Öl, Gas oder Kohle im Boden bleiben, sie seien "buchstäblich unverbrennbar", führte der Gouverneur aus. Setze sich diese Erkenntnis durch, dann liege darin ein echtes Risiko für den Finanzmarkt. Denn die Investoren gingen leer aus.

Am Dienstag, wenige Tage vor Beginn der Klimakonferenz in Paris, hat der Münchner Allianz-Konzern seine Schlüsse daraus gezogen. "Mit Blick auf das Zwei-Grad-Ziel der Klimaverhandlungen in Paris und auf die ökonomischen Risiken" wolle Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte keine Kohle-basierten Geschäftsmodelle mehr finanzieren, schrieb das Unternehmen in einer knappen Mitteilung, es bestätigte damit Berichte des Magazins Frontal 21 und des Handelsblatts. Die Allianz will demnach nicht mehr in Unternehmen investieren, wenn diese mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes durch den Abbau von Kohle oder durch die Energieerzeugung aus Kohle erzielen.

Derzeit hat der Konzern etwa vier Milliarden Euro seines 1800 Milliarden Euro starken Anlageportfolios in diesen Bereich investiert. Es handelt sich größtenteils um Anleihen, die der Versicherer nach und nach auslaufen lässt. "Ein kleiner Teil ist in Aktien angelegt, die wir in den nächsten sechs Monaten verkaufen werden", erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

"Wenn es konsequent umgesetzt wird, ist das ein riesiger Schritt mit Vorbildfunktion."

In erster Linie wolle die Allianz damit die Verhandlungen auf dem UN-Klimagipfel in Paris unterstützen, der am Montag startet. Mit dem Schritt gibt der Versicherer aber auch dem Druck von Nichtregierungsorganisationen nach, die seit längerem darauf pochen, dass der Marktführer der Kohle abschwört. "Wenn es konsequent umgesetzt wird, ist das ein riesiger Schritt mit Vorbildfunktion für die gesamte Finanzbranche", sagt Katrin Ganswindt, Kohle-Expertin der Organisation Urgewald. Erst am Dienstag hatte die Umweltgruppe vor den Zentralen von Allianz und Deutscher Bank protestiert. Der Allianz-Konzern zeige, dass er "doch lernfähig" ist, heißt es nun bei Urgewald. Mit anderen Worten: Im Zentrum der Kritik steht nun allein die Deutsche Bank.

Für den Münchner Versicherungskonzern stecken aber auch handfeste ökonomische Erwägungen hinter der Entscheidung. "Wir glauben auch, dass das unter Renditegesichtspunkten Sinn macht", sagte ein Sprecher. Ein Geschäftsmodell, das auf Kohle ausgerichtet ist, habe keine guten Zukunftsperspektiven. Es gehe insofern auch darum, die Risiken im Portfolio zu reduzieren - so ähnlich hatte das auch Gouverneur Carney gesagt. Kohlekonzerne stecken derzeit vielerorts in der Krise. Der Widerstand wächst, und der Kohlepreis ist niedrig.

Die Allianz ist nicht der erste Versicherer, der diesen Schritt wagt. Der französische Axa-Konzern hatte bereits angekündigt, Beteiligungen im Wert von 500 Millionen Euro an Firmen, die ihr Geld in erster Linie mit Kohle verdienen, abzustoßen. Seine Investitionen in erneuerbare Energien will das Unternehmen bis 2020 auf drei Milliarden Euro verdreifachen. Auch die Allianz will stärker darauf setzen, allen voran auf Windparks. Bisher hat das Unternehmen etwa zwei Milliarden Euro in erneuerbare Energie investiert, dieser Betrag soll sich über die nächsten Jahre verdoppeln. Erwartete Rendite: zwischen fünf und sechs Prozent.