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Allianz:Angst vor Amazon

Hauptversammlung Allianz

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz SE, Oliver Bäte, will den Versicherer radikal digitalisieren. Da verwundert es nicht, dass er einen Konkurrenten wie Amazon mehr fürchtet, als die traditionellen Wettbewerber.

(Foto: Alexander Heinl/dpa)

Der Versicherer ist trotz guter Zahlen vorsichtig. Viel mehr als vor den direkten Rivalen fürchtet der Konzern den Online-Händler Amazon, der längst nach den Gewinnen der Versicherer greift.

Bislang ist wenig bekannt über die Pläne des Online-Händlers Amazon in der Versicherungswirtschaft. Das Unternehmen sucht per Stellenanzeigen Angestellte mit Fachwissen für seinen Standort London, möglichst mit Sprachkenntnissen. Sie sollen europaweit an "disruptiven Veränderungen" in der Branche arbeiten. Trotz der mageren Faktenbasis nimmt Allianz-Chef Oliver Bäte die Pläne sehr ernst - erst recht seitdem bekannt wurde, dass der Händler zusammen mit dem Investmentunternehmen Berkshire Hathaway und der Bank JP Morgan in den USA einen Krankenversicherer aufbaut.

"Amazon ist viel wichtiger für uns, als es die traditionellen Wettbewerber sind", sagte Bäte bei der Vorstellung der Zahlen für 2017. Vor dem Online-Händler hat er also mehr Respekt als vor Axa, Ergo oder Generali. Schon heute greifen die Internet-Konzerne nach den Gewinnen der Versicherer, auch wenn sie keine Lizenz für dieses Geschäft haben, erklärte Bäte. Das funktioniere zum Beispiel über die hohen Preise per Klick auf Anzeigen, die Google von den Anbietern verlangen kann. "Das ist manchmal mehr, als wir für klassische Vermittler zahlen."

Für Bäte ist Amazon aber nicht nur Bedrohung, sondern ein möglicher Partner. Die Versicherungsplattform werde über Ländergrenzen hinweg funktionieren. "Amazon hat keine Lust, in jedem Land mit einem anderen Versicherer zusammenzuarbeiten", sagte er. Da passt die Allianz als Partner, sie ist in fast jedem europäischen Land vertreten.

Bäte weiß, dass er die Allianz schnell und drastisch digital umbauen muss. Deshalb ist er besonders stolz auf die Übernahme des Direktversicherers LV= (steht für Liverpool Victoria Friendly Society), die den Münchnern 2017 in Großbritannien gelang und sie dort in die Spitzengruppe im Markt katapultierte. Bäte würde gern weitere Unternehmen übernehmen, ist aber vorsichtig. "Die Preise sind noch sehr hoch", erklärte er. Übernahmen müssten ökonomisch und strategisch passen. Er schwieg zu Berichten, dass die Allianz ein möglicher Käufer für den Industrie- und Rückversicherer XL Catlin mit Sitz in Bermuda sein soll.

Vor allem aber solle die digitale Veränderung das bestehende Geschäft umwälzen. Die Digitalisierung müsse zur "großen Vereinfachung" führen. Damit will er auch aus eigener Kraft weiter wachsen. Die Allianz müsse ihre Marktchancen in der Sachversicherung nutzen und nicht weiter an Volumen verlieren, wie das in den vergangenen zehn Jahren der Fall gewesen sei.

In einem Geschäftsfeld will die Allianz allerdings ganz freiwillig Umsatz aufgeben. Auf längere Sicht will der Konzern aus Klimaschutzgründen keine Kohlekraftwerke mehr versichern. Den sofortigen Rückzug, den die Initiative "Unfriend Coal" verlangt, lehnt Bäte ab. Manche Länder seien von der Stromproduktion aus Kohle abhängig. "Doch die Richtung ist eindeutig: raus." Kapitalanlagevorstand Günther Thallinger will mit den Kraftwerksbetreibern sprechen, man müsse sich in den Dialog begeben. Als Investor zieht sich der Konzern schon seit 2015 aus der Kohlewirtschaft zurück.

Die Allianz legte insgesamt gute Zahlen für 2017 vor: Der Umsatz stieg trotz Dollarschwäche um 3 Prozent auf 126 Milliarden Euro, der operative Gewinn - intern die wichtigste Kennzahl - um 0,4 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Der lange kriselnde Vermögensverwalter Pimco in Kalifornien hat die Wende geschafft, auch in der Lebensversicherung sind die wichtigsten Probleme gelöst.

Der Jahresüberschuss nach Steuern sank wegen der Hurrikane in den USA und der Waldbrände in Kalifornien um 2,3 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Die Allianz habe zwar 1,1 Milliarden Euro für die Großschäden zahlen müssen, das sei aber gemessen am Marktanteil deutlich weniger als bei der Konkurrenz.

Trotz des leicht schwächeren Gewinns will Bäte die Aktionäre freundlich stimmen. Deshalb erhöhte er die Dividende um 5,3 Prozent von 7,60 Euro auf 8 Euro, an den milliardenschweren Aktienrückkäufen will er festhalten.

Mit den Vorhersagen für 2018 hielten sich Bäte und Finanzchef Giulio Terzariol zurück. Der operative Gewinn soll 2018 zwischen 10,6 Milliarden Euro und 11,6 Milliarden Euro betragen, die Mitte entspricht genau dem Ergebnis von 2017. Der Allianz-Chef ist vorsichtig: Mit Blick auf die jüngsten Erschütterungen an den Börsen sagte er, die Zeit der Marktkorrekturen sei nicht vorbei, das Umfeld bleibe sehr volatil. Aktionärsfreundlich will Bäte auf jeden Fall bleiben. An den umstrittenen Aktienrückkäufen hält Bäte fest - Übernahmen könne man trotzdem stemmen.

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