Corona-Pandemie:Japan hat ein Alkoholproblem der anderen Art

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Corona-Pandemie: Hoch die Krüge in geselliger Runde - das war einmal. Mit der Pandemie haben sich auch die Lebensgewohnheiten jüngerer Japaner gewandelt, sie trinken weniger Alkohol.

Hoch die Krüge in geselliger Runde - das war einmal. Mit der Pandemie haben sich auch die Lebensgewohnheiten jüngerer Japaner gewandelt, sie trinken weniger Alkohol.

(Foto: Daniel Leussnik/AFP)

Junge Japaner trinken nicht mehr so exzessiv Bier, Wein und Sake. Das ist gut für die Gesundheit, aber schlecht für die klamme Staatskasse. Ein Wettbewerb soll die Lust am Trinken nun zurückbringen.

Von Isabel Fisch

Japan hat ein Alkoholproblem. Es geht nicht, wie man denken könnte, um exzessiven Konsum bei Spielen wie etwa Beer Pong, Rage Cage, Flunky Ball und wie die Trinkspiele noch alle heißen. Die Menschheit war ja schon immer erfinderisch, wenn es darum ging, sich gezielt in einen Rausch zu befördern. Nein, Japan hat ein anderes Problem, und wie so oft in diesen Zeiten hängt es zusammen mit der Corona-Pandemie. Die Jugend des Landes hat sich wegen der Beschränkungen, die die Seuche mit sich brachte, quasi die Geselligkeit abgewöhnt. Und weil das Trinken alleine nicht so viel Spaß macht, sank auch der Alkoholkonsum stark.

Alkohol ist nicht mehr cool, Gesundheitsbewusstsein schon. Gleichzeitig geht die alte Generation, die noch stark am Glas war, in Rente. 29 Prozent der Japaner sind über 65 Jahre alt. Vor 25 Jahren war die Welt noch eine ganz andere, eine bessere, findet zumindest die japanische Steuerbehörde NTA. Da becherten die Japaner im Schnitt noch 100 Liter Wein pro Jahr und Nase. Die Jungen von heute dagegen brachten es 2020 nur noch auf 75 Liter, das entspricht etwa sechs Flaschen Wein pro Monat.

Doch was gut für die Volksgesundheit ist, tut in diesem Fall der Staatskasse weh: Vor zehn Jahren noch machte die Alkoholsteuer drei Prozent der Gesamtsteuereinnahmen aus. 2020 dagegen waren es nur noch 1,7 Prozent. Die Einnahmen sanken im ersten Pandemiejahr um 110 Milliarden Yen (etwa 800 Millionen Euro). Im japanischen Staatshaushalt macht sich das bemerkbar. Dabei weist der ohnehin schon ein Defizit von 48 Billionen Yen (etwa 350 Milliarden Euro) auf.

Die japanische Regierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Alkoholkonsum zu fördern. Unter dem Motto "Sake Viva!" können 20- bis 39-Jährige neue Produkte, Designs, Verkaufsmethoden und sonstige Ideen vorschlagen. Die, so hofft man in der Regierung, brächten dann womöglich die Lust am Trinken zurück. Bis zum 9. September werden nun Vorschläge angenommen. Am 10. November - nach offenbar ausführlicher Beratung - sollen die Sieger bekannt gegeben werden.

Andernorts dagegen versucht man mit zahlreichen öffentlichen Kampagnen, den Alkoholkonsum gerade bei jungen Menschen zu reduzieren. Das ist auch nötig. In Deutschland etwa trinken Jugendliche ihr erstes Bier im Schnitt mit 13,8 Jahren. Und vom 15. Lebensjahr an konsumieren sie sogar 10,2 Liter Reinalkohol jährlich.

Dass die eigene Regierung zum Alkoholkonsum ermutigt, während der Rest der Welt vor dessen Folgen warnt, löst im japanischen Gesundheitsministerium Kopfschütteln aus. Man hoffe, heißt es mit einer Portion japanischen Understatements, dass bei der Kampagne auch daran erinnert werde, Alkohol nur in "angemessenen Mengen" zu konsumieren.

Dass man sich innerhalb der Regierung in Tokio nicht so ganz einig zu sein scheint, ob mehr oder weniger trinken besser ist für das Land, zeigt auch eine andere Kampagne. Sie geht zurück auf das "Gesetz gegen Gefahren des Alkoholkonsums". Es sieht auch eine Aktionswoche vor, in der gebündelt vor Alkoholmissbrauch und dessen Folgen gewarnt werden soll. Ihr Starttermin: 10. November.

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