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Alitalia:Die endlose Saga der Pleite-Airline

Auf die marode Fluggesellschaft ist Verlass. Die Airline fliegt jahrein, jahraus horrende Verluste ein. 2019 waren es 1150196 Euro am Tag. Und immer wieder suchen italienische Politiker nach neuen Geldquellen.

Zu den italienischen Gewissheiten gehört zweifelsohne Alitalia. Auf die marode Fluggesellschaft ist Verlass. Die Pleite-Airline fliegt jahrein, jahraus horrende Verluste ein. 2019 waren es 1 150 196 Euro am Tag. Erbarmungslos: Die Regierungen in Rom wechseln, aber die Geldvernichtungsmaschine fliegt weiter. Denn mit den italienischen Steuerzahlern hat noch niemand Erbarmen gezeigt. Sie haben in den vergangenen Jahren zehn Milliarden Euro verloren bei dem Versuch, die Fluggesellschaft am Himmel zu halten. Schön doof, möchte man da sagen.

Zur Kasse gebeten werden seit 2007 sogar die ahnungslosen Passagiere. Beim Kauf eines Tickets leisten sie einen okkulten Obolus an die frühpensionierten Spitzenverdiener aus dem Cockpit. Anfangs schlug die römische Sozialversicherungsanstalt einen Euro auf den Ticketpreis drauf. Nun ist man bei fünf Euro gelandet. Mit dem Geld wurde den Gewerkschaften ein zaghafter Abbau von Piloten-Stellen abgekauft. Die Rechnung begleichen die Fluggäste. Sie finanzieren mit der sogenannten Startsteuer die überaus generösen Bezüge der ehemaligen Alitalia-Beschäftigten.

Das Drehbuch zur Endlos-Saga um den Pleiteflieger schreibt seit 13 Monaten Luigi Di Maio, Industrieminister und Chef der populistischen Cinque Stelle. Er steht als Vize-Premier an der Spitze der selbst proklamierten Regierung des Wandels. Ist das nicht eine Chance? Eher nicht. In ihrer Not wollte die Regierung nun auch den Stromkunden 650 Millionen Euro von deren Rechnungen abzwacken, um Alitalia unter die Arme zu greifen. Dem aber schob die Energieaufsichtsbehörde einen Riegel vor. Nach über 800 Tagen Zwangsverwaltung gelang es Di Maio nicht, einen privaten Investor für Alitalia aufzutreiben. Fünf Mal musste er die Frist für die Abgabe verbindlicher Offerten verschieben. Jetzt holt er tatsächlich den Infrastrukturkonzern Atlantia ins Boot, der von der Industriellendynastie Benetton kontrolliert wird und ihm seit dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua im August 2018 als "das absolut Böse" gilt. Di Maio wollte dem Mautunternehmen der Benettons die Betriebslizenz entziehen und den Autobahnbetreiber zwangsverstaatlichen. Noch vor wenigen Wochen schloss er eine Beteiligung von Atlantia an Alitalia aus. Der Konzern sei, weil ja demnächst ohne Einnahmen, bald am Ende. Nun vertraut er ihm die Rettung der Alitalia an.