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Alibaba:"Danke, Hongkong"

Alibaba's co-founder Jack Ma is seen on the screen at Alibaba Group's listing ceremony at the Hong Kong Stock Exchange (HKEX) in Hong Kong

Jack Ma, Mitgründer von Alibaba, ist bei der Feier zum Börsengang in der Hong Kong Stock Exchange auf der Leinwand zu sehen.

(Foto: Reuters)

Aktien des chinesischen Internetkonzerns Alibaba können nun auch in der Sonderverwaltungszone gehandelt werden. Es ist der größte Börsengang in diesem Jahr - und eine Nachricht, die China gelegen kommt.

Kaum war der Bronze-Gong der Hongkonger Börse verklungen und damit die Alibaba-Aktien auch in der ehemaligen britischen Kronkolonie zum Handel freigeben, setzte Aufsichtsratchef Daniel Zhang zur Rede an: "Danke, Hongkong, und Dank an die HKEX", sagte er. "Eure Reform des Kapitalmarkts in den vergangenen Jahren hat es uns ermöglicht, das umzusetzen, was wir vor fünf Jahren wollten."

Im September 2014 war der chinesische Internethändlern ausgerechnet in New York an die Börse gegangen, nicht an der HKEX, der Hong Kong Stock Exchange. 25 Milliarden Dollar wurden damals an der Wall Street eingenommen - bis heute das größte Debüt der Welt. Vorgesehen war eigentlich, dass die Papiere möglichst nah der Heimat gehandelt werden, schließlich macht der Konzern einen Großteil seines Umsatzes in China.

Dass Alibaba 2014 nach New York auswich, lag war vor allem daran, dass der Unternehmensgründer Jack Ma in Hongkong nicht als Vorsitzender des Aufsichtsrates hätte amtieren können, vor ein paar Wochen hat Ma an Zhang übergeben - viel wichtiger aber noch: Die Hongkonger Börsenaufsicht hat 2018 ihre Statuten überarbeitet und erlaubt nun, Stimmrechtsaktien auszugeben. Firmengründer können so weiterhin Einfluss ausüben. Alibaba hat sich deshalb zu einem Zweitnotierung entschieden - mit großem Erfolg. Die Aktien legten am Dienstag zeitweise um knapp sieben Prozent zu. Künftig sind sie an beiden Börsen gleichermaßen handelbar und können etwa in New York gekauft und in Hongkong verkauft werden.

Mit einem Volumen von mindestens 11,3 Milliarden Dollar ist es der weltweit größte Börsengang in diesem Jahr. Gehandelt wird die Aktie unter der Wertpapierkennnummer: "9988". Diese Zahlenfolge reimt sich auf Chinesisch auf "Wohlstand für immer." Für Anleger aus Fernost mit Hang zum Aberglauben ist das nicht die allerschlechteste Kombination, zumal die Zweitnotierung in Hongkong nach Einschätzung von Analysten als Absicherung verstanden wird, falls die Papiere in New York im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China in Mitleidenschaft gezogen werden.

Verwundert war mancher Händler hingegen über den Zeitpunkt des Börsengangs. Als im Sommer die Nachricht die Runde machte, war alles friedlich in Hongkong. Seit Wochen aber ist die Stadt beinahe im Ausnahmezustand. Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Einsatzkräfte Tränengas verschießen - keineswegs ideale Bedingungen, um an die Börse zu gehen. War es letztlich der Druck der chinesischen Regierung, endlich einmal positive Nachrichten aus Hongkong zu haben? Alibaba dementiert entschieden.

© SZ vom 27.11.2019
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