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Aldi Nord:Streit zwischen Aldi-Erben eskaliert

Aldi Nord

Der Machtkampf der Aldi-Nord-Erben geht in die nächste Runde.

(Foto: dpa)
  • Theo Albrecht jr., Aldi-Nord-Erbe und einer der reichsten Menschen der Welt, äußert sich eigentlich nie in der Öffentlichkeit. Doch nun attackiert er die Witwe seines Bruders in einem Interview.
  • Der Streit unter den Erben um die Bedeutung der Stiftung erreicht damit eine neue Eskalationsstufe.

Der Streit zwischen den Erben des Discounters Aldi Nord spitzt sich weiter zu. Theo Albrecht jr., der Sohn des Firmen-Mitgründers Theo Albrecht, macht der Frau seines verstorbenen Bruders Berthold schwere Vorwürfe: Sie würde mit ihren Bemühungen um mehr Einfluss auf die Familienstiftung dem letzten Willen ihres Mannes zuwiderzuhandeln. "Mein Bruder würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft", sagt Theo Albrecht jr. dem Handelsblatt.

Erst Ende April hatte er in einem Schreiben der Witwe des Bruders und ihren fünf Kindern nahegelegt, aus dem Konzern auszusteigen. Sie seien "eine Belastung für unser Unternehmen und für alles, wofür unser Unternehmen steht". Öffentlich hatte sich Theo Albrecht jr. bislang jedoch nie zu dem Familienstreit geäußert. Über sein Leben ist bis auf die Tatsache, dass der Milliardär einer der reichsten Deutschen ist, fast nichts bekannt - umso schwerer wiegt es daher, dass er die nächste Runde im Familienstreit offenbar auch medial austragen will.

Der Erbe fürchtet, dass die Kinder "das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen"

Bei dem nun eskalierenden Machtkampf geht es um einen Konflikt zwischen den beiden Familienteilen des Aldi-Nord-Mitbegründers. Auf der einen Seite stehen Theo Albrecht jr. und seine Mutter Cäcilie, auf der anderen Babette Albrecht, die Witwe des 2012 verstorbenen Albrecht-Sohns Berthold, und ihre Kinder.

Im Kern geht es um eine Änderung der Satzung der Jakobus-Stiftung, die gemeinsam mit zwei weiteren Stiftungen - der Markus- und der Lukas-Stiftung - 100 Prozent des Aldi-Nord-Kapitals hält. Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig erstritt Babette Albrecht im Januar zunächst in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss in der Institution - und damit auch in dem Essener Unternehmen. Das Gericht kippte aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010, die der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Aufsichtsbehörde angenommen hatte.

Theo Albrecht jr. hält nichts von mehr Einfluss der Familie in der Stiftung: Er und sein Bruder hätten die Stiftungssatzungen nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam auf den neuesten Stand gebracht. Wenn die alte Satzung wieder gelte, "könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen. Sie hätten damit ein unbegrenztes Erpressungspotenzial", warnt er. Die drei Stiftungen müssen allen wesentlichen Entscheidungen des Aldi-Managements und jeder Auszahlung zustimmen, womit sie für die Zukunft des Konzerns eine entscheidende Bedeutung haben.

Theo Albrecht jr. hat sich zum Ziel gesetzt, das Unternehmen vor zu großem Einfluss der Familie zu schützen, wie er sagt. Zudem seien die "teilweise peinlichen" Auftritte seiner Schwägerin in der Öffentlichkeit eine Belastung für den Konzern. "Ich verteidige das Testament meines Bruders und die Satzung der Stiftung", sagt Albrecht jr., "dafür kämpfe ich."

© SZ.de/dpa/vit/jps

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