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Aldi erobert New York:Lernbedarf für Amerikaner

Aldi ist mit seinen Prinzipien so etwas wie der Exot unter den amerikanischen Einzelhändlern - aber ein erfolgreicher. Vor allem im Geldbeutel jedes Einzelnen macht sich das bemerkbar: Einkäufe kosten 20 bis 30 Prozent weniger als bei der Konkurrenz. Die Kunden mögen sich hier und da verwundert die Augen reiben, doch der Preis macht das für viele wett, zumal jetzt, da der Dollar nicht mehr so locker sitzt.

Aldi ist der weltweit achtgrößte Einzelhändler der Welt, 67,7 Milliarden Dollar standen im Jahr 2009 auf der Einnahmenseite, berichtete das Stores-Magazin. Etwa 6,5 Milliarden davon kommen vom amerikanischen Markt. Wal-Mart verdiente ein Vielfaches davon.

Und nun wollen sich alle in den Städten etablieren. Aldi ist nicht der einzige Händler, der sich zwischen den Hochhäusern positioniert. Wal-Mart will mit kleineren Läden in die Innenstädte, Target plant die Eröffnung von City-Filialen. Aber: Aldi ist schon da. Und braucht angesichts des übersichtlichen Warenangebots keine riesigen Flächen. Daher rechnen sich auch die noch immer hohen Innenstadtmieten. Die fehlenden Kosten für Werbung, für Tüten und die einfache Prävention des Einkaufswagen-Klaus tun ein Übriges, die Kosten niedrig zu halten.

Amerikanische Analysten zeigen sich verwundert: "Obwohl die Firmenzentrale in Deutschland sitzt, haben sie in New York schneller ein Geschäft eröffnet als Wal-Mart", sagte Craig Johnson, Chef der Beratungsfirma Customer Growth Partners, jüngst der New York Times.

Die Amerikaner echauffieren sich nicht mal, weil Aldi - wie Wal-Mart - nicht gewerkschaftlich organisiert ist. "Es gibt keinen Grund dafür", sagt Johnson. Es muss nicht extra gebaut werden für Aldi, kleine Ladenlokale stehen oft leer. Die Mitarbeiter begehren nicht auf, die Arbeitsbedingungen scheinen zu stimmen. Und: "Aldi ist bei vielen noch gar nicht auf dem Radar."