Die geplante Aktivrente könnte die Erwerbstätigkeit von Rentnern in Deutschland um bis zu zehn Prozent steigern. Demnach könnten durch das Modell rechnerisch 25 000 bis 33 000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzt werden, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass Rentnerinnen und Rentner von 2026an bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen können. Unter den aktuellen steuerlichen Bedingungen für den Hinzuverdienst wollen der Studie zufolge 52 Prozent der älteren Menschen im Ruhestand nicht mehr weiterarbeiten. Laut der Befragung von rund 3000 Personen zwischen 60 und 71 Jahren würde die Aktivrente diesen Anteil jedoch um rund fünf Prozentpunkte senken.
Für den Staat rechnet sich das Modell den Experten zufolge jedoch erst, wenn mindestens 40 000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen. Erst dann würden die Einnahmeverluste bei der Einkommensteuer ausgeglichen. Zudem mangele es an Wissen über die bestehenden Regeln. So wussten nur 37,5 Prozent der Befragten, dass es seit 2023 keine Hinzuverdienstgrenzen mehr für die Altersrente gibt. „Grundsätzlich setzt die Politik mit der Aktivrente ein wichtiges Zeichen: Arbeit im Alter ist gewollt – und sie lohnt sich“, sagte Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung. Damit die Reform ihre Wirkung entfalten könne, müsse die Politik die neuen Möglichkeiten aber aktiv bewerben.
Hintergrund der Pläne ist der Fachkräftemangel. Ältere Arbeitnehmer verfügten über wertvolle Erfahrungen, von denen Unternehmen profitieren könnten, hieß es in der Studie. Derzeit seien in Deutschland 21 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig. In Ländern wie Dänemark oder Schweden liege die Quote bei rund 30 Prozent. Eine weitere Hürde für die Beschäftigung Älterer sind einer zweiten Untersuchung zufolge komplizierte rechtliche Rahmenbedingungen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen schreckten vor dem Einstellen Älterer zurück. Grund sei die Rechtsunsicherheit bei befristeten Arbeitsverträgen und das Risiko, dass unbefristete Arbeitsverhältnisse entstünden.Gleichzeitig seien auch die Arbeitgeber gefordert, die Arbeitsbedingungen für ältere Menschen attraktiver zu gestalten. Dazu zählten altersgerechte Tätigkeiten, mehr zeitliche Flexibilität und ein gutes Arbeitsklima. „Um sich für ältere Arbeitskräfte attraktiv zu machen, sind Unternehmen gut beraten, mit Wertschätzung auf die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zuzugehen“, sagte Thode. Das Arbeitsumfeld müsse so gestaltet sein, dass sich deren Erwartungen erfüllten, geistig fit zu bleiben, Spaß an der Arbeit zu haben und soziale Kontakte zu pflegen.
