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Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway:Gekommen, um Buffett zu verehren

Das perfekte Paar: Für viele Aktionäre sind Warren Buffett and Charlie Munger (hier auf einem Wandbild) richtige Idole.

(Foto: AP)

44.000 Fans pilgern zum 50. Aktionärstreffen von Warren Buffetts Investmentfirma nach Omaha - so viele wie nie zuvor. Sie interessieren sich vor allem, wer Nachfolger des 84-Jährigen wird. Doch der Guru lobt lieber Deutschland.

Von Kathrin Werner, Omaha

Dann humpeln die Helden auf die Bühne. Es regnet Konfetti, das Licht bricht sich in bunt glitzernden Papierschnipseln und rührungsfeuchten Augen. Die Menschen springen auf zum Applaus, Scheinwerfer tanzen über ihre Köpfe. Aus den Boxen tönt "With a Little Help from My Friends" von den Beatles. Die Aktionäre tosen, klatschen, lachen, denn ihre Stars sind da: Warren Buffett, 84 Jahre alt, und sein Co-Chef Charlie Munger, 91 Jahre. Zwei schlohweiße Schöpfe, zwei dicke Brillen, zwei faltige Gesichter auf dünnen Hälsen, zwei schief sitzende Krawatten. "Ich bin Warren und das ist Charlie", sagt Buffett, als der Jubel abebbt. "Er kann hören und ich kann sehen. Wir arbeiten zusammen."

Willkommen beim jährlichen Aktionärstreffen von Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway in Omaha mitten im amerikanischen Bundesstaat Nebraska. Berkshire Hathaway wird in diesem Jahr 50 Jahre alt und zum Jubiläum sind mehr Fans angereist als je zuvor: 44.000. Das Treffen trägt den Spitznamen "Woodstock für Kapitalisten". Das stimmt nicht ganz.

Zwar sind sie wie damals die Woodstock-Hippies angereist, um ihrem Idol zu huldigen und um Teil einer Bewegung zu sein, dem Kult der Buffett-Fans. Aber hier regiert das Geld, der freie Markt, statt der freien Liebe. Statt ausgelassen durch den Schlamm zu rutschen sitzen die Geld-Liebhaber in den Klappsitzen von Omahas Basketball-Arena, stellen Buffett Fragen und lauschen, wie er ihnen die Welt erklärt. Genauer gesagt: den Kapitalismus.

Buffett hat viele sehr reich gemacht

Zu Berkshire Hathaway gehören etwa der riesige Autoversicher Geico, mehrere Energieversorger, der Bahnbetreiber BNSF, dazu noch Beteiligungen an American Express, der Bank Wells Fargo, Coca-Cola, IBM, American Express, Wal-Mart, dem deutschen Rückversicherer Munich Re und dem Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Sein Unternehmen ist an der Börse fast 364 Milliarden Dollar wert. Der Buchwert, also der Wert aller Beteiligungen zusammen, stieg in 50 Jahren um mehr als 750.000 Prozent.

Zum Auftakt der Sitzung liefert Buffett Quartalszahlen: Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 5,16 Milliarden Dollar, der Umsatz um sieben Prozent auf 48,6 Milliarden Dollar. Buffett hat viele hier auf seiner Hauptversammlung sehr reich gemacht, auch sich selbst, den derzeit drittreichsten Menschen der Welt.

Auch eine 13-Jährige aus Bonn ist dabei

Die Fans standen schon seit Sonnenaufgang Schlange im Nieselregen, bis um sieben Uhr endlich die Tore öffnen für das große Event. Ein japanisches Pärchen hat sein gesamtes Erspartes in eine Berkshire-Aktie und die zwei Tickets nach Omaha investiert. Eine Gruppe BWL-Studenten der Columbia University ist aus New York eingeflogen. Ein älterer Herr aus Südkorea schwärmt von "seinem Idol, dem besten Geschäftsmann aller Zeiten". Victoria Rentrop aus Bonn ist 13 Jahre alt, hat schon eine Berkshire-Aktie und schulfrei bekommen, wenn sie ein Referat über Buffetts Treffen hält. Und Jimmy Seeber aus Florida sagt, dass er sich nichts im Leben so sehr gewünscht hat, wie einmal zum Jahrestreffen zu kommen und Buffett zu sehen. "Ich dachte, ich mache es so schnell es geht, man weiß ja nie."

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