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Griechenland:Spekulanten mischen die Athener Börse auf

Major losses at the Athens Stock Exchange

Die politische Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands sorgt seit Monaten für große Nervosität an der griechischen Börse (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Die politische Unsicherheit macht auch die Finanzindustrie nervös.
  • Es gibt große Kursschwankungen bei griechischen Aktien und Kreditausfallversicherungen - ideale Bedingungen für Spekulanten.
  • 2010 hatten Hedgefonds auf Pleiten europäischer Krisenstaaten gewettet, die EZB sah sich zu dem Versprechen gezwungen, alles zu tun, um den Euro zu retten.
  • Im Gegensatz dazu gehen die meisten Hedgefonds nun von einer Einigung zwischen Griechenland und den Kreditgebern aus.

Der US-Milliardär George Soros, 84, hat sich aus dem aktiven Geschäft als Spekulant weitgehend zurückgezogen. Der gebürtige Ungar pflegt seit Jahren sein Image als Philanthrop und unbescholtener Welterklärer, der gern Ratschläge erteilt, etwa dazu, wie das globale Finanzsystem zu reformieren sei. Da mag es verwundern, dass die griechische Finanzaufsicht Soros' Hedgefonds Quantum Partners jüngst ein Bußgeld von 65 000 Euro aufbrummte.

Der Betrag wirkt lächerlich niedrig, doch das Gesetz gibt wohl nicht mehr her. Den Fachleuten in Athen war im Frühjahr aufgefallen, wie Soros und andere, in der Szene sehr prominente und teils milliardenschwere Hedgefonds-Manager mit griechischen Bankaktien ungedeckte Leerverkäufe machten. Das bedeutet, sie veräußerten Anteilsscheine griechischer Banken, ohne sie überhaupt zu besitzen oder wenigstens geliehen zu haben.

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Diese Leerverkäufe drücken die Preise, was dem Spekulanten die Möglichkeit bietet, einen satten Profit zu machen. Die EU hat diese Geschäfte im Jahr 2012 streng reguliert. Die insgesamt 20 mit Bußgeld bestraften Hedgefonds, so die griechische Aufsicht, hätten die Vorschriften nicht eingehalten.

"Es sind nur noch risikobereite Hedgefonds aktiv"

Die politische Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands sorgt seit Monaten für große Nervosität an der griechischen Börse. Die Preise für griechische Bankaktien sind allein am Montag um 20 Prozent gestiegen, nachdem sie wenige Tage zuvor noch um 25 Prozent gefallen waren. Ähnliche Preisverwerfungen waren am Aktienmarkt insgesamt und am Markt für Kreditausfallversicherungen zu beobachten.

Wagemutige Spekulanten empfinden diese Marktlage als paradiesisch. Sie können sowohl an fallenden wie auch an steigenden Kursen viel Geld verdienen. Meist müssen sie dabei über den Einsatz von Derivaten nur wenig Kapital riskieren. Motto: alles oder nichts. "An der Athener Börse sind nur noch risikobereite Hedgefonds aktiv. Viele haben sich dort in den letzten Tagen eine goldene Nase verdient", sagt Robert Halver, Börsenexperte der Baader Bank. "Die starken Kursschwankungen, die durch die Gefahr eines Grexit entstehen, sind den Spekulanten ein Lustgewinn." Die Hedgefonds weisen Kritik zurück. Sie seien die einzigen gewesen, die griechischen Banken zuletzt überhaupt noch Kapital gegeben hätten.

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Die meisten Profis gehen von einer Einigung aus

Europas Politiker halten, und das ist freundlich ausgedrückt, wenig von Hedgefonds. Im Februar 2010 trafen sich in New York Soros und andere Investoren zu einem Dinner, bei dem man den Angriff auf den Euro verabredete. Die Hedgefonds wetteten in den Monaten danach auf einen fallenden Euro und eine Pleite Italiens, Portugals, Griechenlands und Spaniens. Die politische Klasse in Europa war schockiert ob des dreisten Angriffs. Erst die Entscheidung der EZB, im Notfall alles zu tun, um den Euro zu retten, brachte im Sommer 2012 wieder Ruhe. Mit einer Notenbank legt man sich nicht an. Nur Soros wagte es 1992, als er gegen das britische Pfund und die Bank of England wettete. Er machte eine Milliarde Dollar Profit.

Die Athener Börse legte am Dienstag wieder 4,4 Prozent zu. Die meisten Profis gehen von einer politischen Einigung im Schuldendrama aus. Wenn es anders kommt, folgt der Börsenabsturz. Ein paar Hedgefondsmanager würden auch daran wieder verdienen.

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