Agrarindustrie Monsanto will mehr Geld

  • Der US-Agrarkonzern Monsanto lehnt das Übernahmeangebot von Bayer ab.
  • Die Amerikaner wollen offenbar den Preis in die Höhe treiben.
  • Die Aktienkurse beider Konzerne reagierten auf die Meldungen.
Von Varinia Bernau, Herbert Fromme, München, und Claus Hulverscheidt, New York

Der umstrittene US-Saatguthersteller Monsanto hat das Übernahmeangebot des Bayer-Konzerns über 62 Milliarden Dollar vorerst abgelehnt. Offenbar haben die Amerikaner aber keine grundsätzlichen Vorbehalte, sondern wollen vielmehr den Preis in die Höhe treiben. "Unser Unternehmen wird durch die Offerte deutlich zu niedrig bewertet", zudem sei einige regulatorische und finanzielle Fragen offen, erklärte Monsanto-Chef Hugh Grant. Man sei aber zu weiteren Gesprächen mit Bayer bereit. Der Leverkusener Chemiekonzern bietet bisher 122 Dollar je Monsanto-Aktie.

Er äußerte sich zunächst nicht. Bayer-Chef Werner Baumann hatte sich am Montag im Gespräch mit Journalisten nicht festlegen wollen, ob er die Übernahme notfalls auch gegen den Widerstand des Monsanto-Managements durchziehen würde. Ziel sei eine Vereinbarung im gegenseitigen Einvernehmen, betonte er. Baumann schloss einen feindlichen Übernahmeversuch aber ausdrücklich auch nicht aus. "Wir werden alles tun, um diesen Zukauf zu realisieren", sagte er.

Die Großaktionäre von Bayer wollen sich bislang nicht zu den Kaufplänen äußern - wohl auch, weil sich Namen wie Capital Group, Vanguard Group, Blackrock und Sun Life Financial auf den Eignerlisten gleich beider betroffenen Unternehmen finden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg ist Blackrock mit einem Anteil von 6,34 Prozent größter Bayer-Aktionär. Die Liste bei Monsanto führt die Capital Group mit gut neun Prozent an.

Bayer-Manager sind persönlich zu Investoren gereist

Dem Agenturbericht zufolge sollen führende Bayer-Manager in den vergangenen Tagen nach London, Frankfurt und in die USA gereist sein sowie zum Telefon gegriffen haben, um wichtige Großanleger von dem Angebot zu überzeugen. "Sie treffen sich mit Investoren, um Einzelheiten des Geschäfts glaubwürdig zu erklären", sagte Andrea Williams, Spezialistin für europäische Aktien beim Vermögensverwalter Royal London Asset Management, der ebenfalls zu den Bayer-Aktionären zählt.

Zu den Sorgen der Anleger gehört, dass Bayer den Zukauf vor allem über Kredite finanzieren müsste. Der Konzern hingegen betont, er habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er Schulden schnell wieder abbauen kann. Zudem übernehme man mit Monsanto ein Unternehmen, das über hohe liquide Mittel verfüge. Auch das helfe, die Verschuldung zügig wieder zu senken. Analysten halten diese Argumentation zwar für schlüssig. "Aber der Schuldenberg würde nun deutlich größer - und es wird einige Zeit dauern, bis der Konzern wieder Spielraum für anderes hat", sagt Ulle Wörner von der Landesbank Baden-Württemberg. Seine Warnung gewänne an Gewicht, sollte Monsanto nun einen noch höheren Preis herausschlagen. Ulrich Huwald vom Analysehaus Warburg sieht bereits das Risiko einer teuren Übernahmeschlacht mit weiteren Interessenten, etwa BASF.

Aktien legten zu

Die Aktienkurse von Bayer und Monsanto reagierten am Dienstag unverzüglich auf die Meldungen aus den USA. Bayer-Papiere, die im Tagesverlauf zugelegt hatten, gaben einen Teil ihrer Gewinne ab, schlossen aber immer noch 3,6 Prozent im Plus. Die Aktien von Monsanto legten zu. Bayer-Chef Baumann hatte die Kursschwäche der vergangenen Tage dazu genutzt, um privat Bayer-Aktien zu kaufen. Bisher gab er dafür fast eine Million Euro aus. Auch andere Bayer-Manager kauften zu.

Die Grünen forderten am Dienstag die Europäische Kommission, die Bundesregierung und das Bundeskartellamt auf, die Übernahme von Monsanto durch Bayer zu verhindern. "Eine Marktmacht-Konzentration solchen Ausmaßes ist eine existenzielle Bedrohung der bereits eingeschränkten Wettbewerbsstrukturen im europäischen Agrarmarkt", heißt es in einem Brief der Europaparlamentsmitglieder Martin Häusling und Sven Giegold an EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Derzeit würden 95 Prozent des europäischen Gemüsesaatgut-Sektors von fünf Großunternehmen gesteuert, so die Grünen-Politiker.

"Durch den Kauf von Monsanto durch die Bayer AG wären es nur noch vier." Die Folgen wären eine eingeschränkte Saatgut- und Sortenvielfalt, eine wachsende Abhängigkeit von wenigen Anbietern sowie steigende Preise. "Damit wächst Europas politische Verantwortung für den stetigen Rückgang der genetischen Vielfalt in der landwirtschaftlichen Kultur und Natur", erklärten Häusling und Giegold.