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Aktien:Wirecard-Aktien stürzen weiter ab

Nach Gewinnen in der Vorwoche sind die Anleger wieder vorsichtiger geworden. Der Bilanzskandal beim Zahlungs­dienstleister Wirecard spitzt sich dramatisch zu.

Die Furcht vor einer zweiten Welle in der Coronavirus-Pandemie hat den europäischen Anlegern zum Wochenauftakt die Stimmung verdorben. Der Dax lag zum Handelsschluss 0,6 Prozent tiefer bei 12 263 Punkten. Pierre Veyret, Analyst beim Handelshaus ActivTrades, verwies auf steigende Infektionszahlen in Deutschland, Australien und den USA. "Es ist schwierig zu sagen, ob die derzeitige Konsolidierung die Tür zu einer Korrektur öffnet, oder ob es nur eine Pause ist, bevor die Kurse auf neue Höchststände klettern." Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete einen Rekordanstieg der Neuinfektionen weltweit. Ein erneutes Herunterfahren der Weltwirtschaft dürfte den Börsen stark zusetzen, warnte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Unter den Dax-Werten stand erneut Wirecard im Mittelpunkt. Die Aktien des von einem Bilanzskandal erschütterten Zahlungsdienstleisters stürzten um weitere 44,1 Prozent ab, nachdem das Management eingeräumt hatte, dass die fehlenden rund zwei Milliarden Euro mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" nicht existierten. Wirecard müsse sich nun darauf konzentrieren, sich notwendige Kreditlinien zu sichern, um das operative Geschäft am Laufen zu halten, mahnte Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. In den vergangenen Tagen ist der Aktienkurs von Wirecard von 104,50 Euro auf 14,44 Euro eingebrochen. Papiere des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen verzeichneten ein erfolgreiches Dax-Debüt. Die für die ausgeschiedene Lufthansa in den deutschen Leitindex aufgerückten Anteile des auf Berlin fokussierten Unternehmens legten um 1,3 Prozent zu.

Die im M-Dax notierten Aktien der Lufthansa standen wegen Zweifeln an einer erfolgreichen Rettung der Airline wieder unter Druck. Lufthansa-Aktien verloren 3,2 Prozent. Der Luftfahrtkonzern fürchtet angesichts einer niedrigen Aktionärspräsenz auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag einen ungewissen Ausgang bis hin zu einer Insolvenzlösung. Denn die Zustimmung zu den neun Milliarden Euro schweren Staatshilfen steht nach den Registrierungen der Anteilseigner mehr denn je auf der Kippe.

Die Börsen an der Wall Street verzeichneten leichte Kursgewinne. Der Leitindex Dow Jones lag zum Handelsschluss 0,6 Prozent im Plus bei 26 025 Punkten.

© SZ vom 23.06.2020 / rih, Reuters, dpa

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