Süddeutsche Zeitung

Aktien:Dax setzt Talfahrt fort

Die Regierung in Peking droht mit Gegenmaßnahmen für die geplante Verschärfung der US-Strafzölle. Zusammen mit den ohnehin stark ausgeprägten Rezessionsängsten sorgen derartige Nachrichten erneut für Kursverluste.

Nach einer freundlichen Eröffnung ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag abgerutscht und hat an seine deutlichen Vortagesverluste angeknüpft. Börsianer verwiesen auf wieder schärfere Töne im US-chinesischen Handelsstreit nach einer kurzen Entspannungsphase. Das chinesische Finanzministerium bezeichnete die zuletzt von den USA beschlossenen Zölle als Verletzung von Absprachen und stellte Gegenmaßnahmen in Aussicht. Konkrete Maßnahmen wurden allerdings keine genannt. Der Dax ging 0,7 Prozent tiefer bei 11 413 Punkten aus dem Handel. Im Handelsverlauf hatte der Leitindex mit 11 266 Zählern den tiefsten Stand seit Ende März erreicht. Bereits am Vortag war das Börsenbarometer wegen Rezessionsängsten um mehr als zwei Prozent eingeknickt. "Das ständige und willkürlich anmutende Hin und Her beim Handelsstreit zwischen den USA und China, die Regierungskrise in Italien, das Brexit-Chaos, die Proteste in Hongkong: Zu viele Problemfelder belasten momentan die Stimmung der Investoren", sagte Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer.

Mit einem Kursrutsch von knapp 30 Prozent Drittel straften die Anleger den Wiesbadener Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon ab. Das Unternehmen muss sich von seinen Zielen bis 2022 verabschieden, Vorstandschef Jürgen Köhler tritt zurück. Die Nachricht dürfte das Vertrauen der Anleger in SGL zerstören, urteilte Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe. Die Aktien des Mobilfunkkonzern 1&1 Drillisch sowie der Muttergesellschaft United Internet brachen um fast zwölf beziehungsweise 6,3 Prozent ein. Die beiden Firmen senkten wegen der hohen Kosten für den Aufbau eines 5G-Netzes ihre Prognosen für das Gesamtjahr. Beide Werte zählten damit zu den Schlusslichtern im M-Dax und setzten ihre längerfristigen Abwärtstrends fort. Auf der Gewinnerseite standen dagegen die Aktien von K+S mit einem plus von einem Prozent. Der Salz- und Düngemittelhersteller blickt nach einem Gewinnsprung im Quartal optimistischer auf das Gesamtjahr.

An der Wall Street notierte der Dow Jones zum Handelsschluss ein halbes Prozent höher. Die Anteile von General Electric (GE) sackten um mehr als elf Prozent ab. Die Aktien litten unter dem Vorwurf der Bilanztrickserei. GE wies diese Vorwürfe jedoch zurück.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4564222
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 16.08.2019 / amon, Reuters, dpa
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.