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Aktien:Coronavirus verunsichert Anleger

Angesichts der in vielen Erdteilen fast unkontrollierten Ausbreitung des Virus halten sich Anleger mit Aktienkäufen zurück. Aktien der Luftfahrt- und Reisebranche stehen besonders unter Druck.

Aus Angst vor einer zweiten Corona-Welle hielten sich Anleger an Europas Aktienmärkten am Montag zurück. Der Dax beendete die Börsensitzung unverändert bei 12 839 Punkten. Ein etwas besser als erwartet ausgefallenes Ifo-Geschäftsklima stützte den Index etwas. So hatte sich die Stimmung deutscher Unternehmen im Juli den dritten Monat in Folge aufgehellt. Es werde immer schwieriger für die Investoren, die steigenden Corona-Zahlen zu ignorieren, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi-Trader. Für zusätzliche Verunsicherung sorgten auch die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China. Der Fall des Dax unter die psychologisch wichtige Marke von 13 000 Punkten vor dem Wochenende sei zwar enttäuschend gewesen, sagt Cutkovic. "Der Aufwärtstrend aber bleibt trotzdem intakt und der Traum von einem neuen Rekordhoch ist bei weitem noch nicht ausgeträumt."

Die Aktien der Luftfahrt- und Reisebranche gerieten unter die Räder, nachdem Großbritannien kurzfristig eine Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Spanien angeordnet hat und auch für Deutschland dies nicht ausgeschlossen wird. Anteilsscheine der Lufthansa gaben im M-Dax um fünf Prozent nach. Die Titel des Flughafenbetreibers Fraport verloren 4,1 Prozent. MTU-Aktien waren mit minus 2,8 Prozent der schwächste Wert im Dax. In Frankfurt sackten die Aktien des Reiseanbieters Tui um 11,7 Prozent ab. Für Ryanair-Papiere ging es an der Börse in Dublin um 3,7 Prozent nach unten. Der Billigflieger erlitt im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni einen Verlust von 185 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit einem größeren Minus gerechnet.

Aktien von Wirecard legten an der Dax-Spitze um knapp 16 Prozent zu. Insolvenzverwalter Michael Jaffe sieht trotz der massiven Betrugsvorwürfe um den Zahlungsabwickler gute Chancen für einen Verkauf des Kerngeschäfts mit Kartenzahlungen.

An der Wall Street verhalf die Hoffnung auf staatliche Konjunkturhilfen und billiges Notenbankgeld dem Dow Jones zu leichten Gewinnen. Mit Spannung wurden nun die Details zu dem billionenschweren Hilfspaket erwartet. Erneut stand die Aktie von Moderna im Fokus. Der US-Impfstoffentwickler startet die letzte Testphase seines Impfstoffes. Die Aktien stiegen um gut neun Prozent.

© SZ vom 28.07.2020 / rih, Reuters, dpa

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