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Aktien:Corona-Sorgen sind zurück

Nach der Impfstoff-Euphorie und der jüngsten Börsenrally kassieren viele Anleger angesichts der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen lieber ihre Gewinne.

An Europas Börsen hat sich am Donnerstag nach der Impfstoff-Euphorie Ernüchterung breit gemacht. Der Dax verlor 1,2 Prozent auf 13 053 Punkte. Die Virussituation, die sich in vielen Hotspots wieder verschlechtert, belaste die Marktstimmung. Sie wecke Ängste vor härteren Eindämmungsmaßnahmen, die weiteren wirtschaftlichen Schaden anrichten können, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activ Trades.

Wegen eines zurückhaltenden Ausblicks gingen einige Siemens-Anleger auf Nummer sicher und machten Kasse. Die Aktien des Industriekonzerns führten mit einem Minus von 3,2 Prozent die Dax-Verlierer an. Der für das angelaufene Geschäftsjahr angepeilte Gewinnanstieg im oberen einstelligen Prozentbereich liege zehn Prozent unter den Markterwartungen, erläuterte Analyst Simon Toennessen von der Investmentbank Jefferies. Zudem soll die Dividende von 3,90 auf 3,50 Euro je Aktie gekürzt werden. Wie der Energiekonzern RWE berichtete, machte sich die Corona-Krise in seinen Geschäften bisher kaum bemerkbar. Die Prognose für 2020 wurde daher bekräftigt. Für die RWE-Aktien ging es leicht nach oben. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA profitiert dagegen von der Corona-Pandemie und wird für das Gesamtjahr nochmals optimistischer. Die florierende Laborsparte gab dem Dax-Konzern im dritten Quartal weiter Rückenwind, aber auch das Halbleitergeschäft sprang deutlich an. Merck-Papiere dagegen konnten ihre Gewinne nicht halten und schlossen 0,5 Prozent im Minus.

Die hohe Nachfrage nach Akkus für kabellose Kopfhörer beschert Varta weiterhin gute Geschäfte. Der Batteriehersteller erhöhte seine Prognosen für Umsatz und Ergebnis für das laufenden Jahr erneut. Varta-Papiere verloren dennoch am M-Dax-Ende 4,6 Prozent. Im S-Dax sprangen die Aktien von SMA Solar mit 14,8 Prozent an die Index-Spitze. Der Solartechnikkonzern verzeichnet in den ersten neun Monaten ein Umsatzplus von 23 Prozent auf 774 Millionen Euro, das operative Ergebnis stieg nach 26 Millionen Euro im Vorjahr auf 41 Millionen Euro.

Auch die US-Anleger hielten sich angesichts der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen mit Aktienkäufen zurück. Der Dow Jones schloss 1,1 Prozent tiefer bei 29 080 Punkten.

© SZ vom 13.11.2020 / rih, Reuters, dpa
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