Private GeldanlageWarum plötzlich so viele junge Menschen an der Börse investieren

Lesezeit: 2 Min.

Aktien, Fonds und ETFs: Die Zahl der Anlegerinnen und Anleger an der Börse erreicht in Deutschland einen Höchststand.
Aktien, Fonds und ETFs: Die Zahl der Anlegerinnen und Anleger an der Börse erreicht in Deutschland einen Höchststand. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Mit der Frühstart-Rente und einem Altersvorsorgedepot will die Bundesregierung die Bürger dazu bringen, ihr Geld in Aktien oder ETFs anzulegen. Aktuelle Zahlen zeigen: Der Trend zeigt schon in diese Richtung. Woran das liegt.

Von Valentin Dornis

Die Warnung kam deutlich und von höchster Stelle: „Verlass dich nicht nur auf die gesetzliche Rentenversicherung“, riet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im August einem Instagram-Nutzer in einer Fragerunde. Unbedingt solle man möglichst früh anfangen, selbst Geld anzulegen, empfahl der Bundeskanzler. Zum Beispiel durch einen Sparplan an der Börse. Denn die private Vorsorge wird wichtiger, wenn man seinen Lebensstandard im Alter halten will. Deshalb ist es auch ein erklärtes Ziel der schwarz-roten Bundesregierung, mehr Menschen zu Anlegerinnen und Anlegern zu machen: mit der Frühstart-Rente für Kinder etwa und einem geförderten Altersvorsorgedepot für Erwachsene.

Nun zeigen aktuelle Daten, dass der Trend in Deutschland schon vor der Umsetzung dieser Altersvorsorge-Projekte in die politisch gewünschte Richtung zeigt. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) ist die Zahl der Personen, die Aktien, Aktienfonds oder ETFs besitzen, innerhalb eines Jahres um zwei Millionen gestiegen. Demnach waren es im Jahr 2025 14,1 Millionen, also etwa ein Fünftel aller Menschen in Deutschland ab 14 Jahren. Basis der Zahlen ist eine repräsentative Umfrage unter rund 28 000 Personen. Das DAI ist eine Interessenvertretung börsennotierter Unternehmen in Deutschland, die Vereinsmitglieder decken nach eigenen Angaben 90 Prozent der Marktkapitalisierung hierzulande ab.

Für den deutlichen Anstieg im vergangenen Jahr gibt es mehrere Gründe. So wurden erstmals auch die Menschen erfasst, die über vermögenswirksame Leistungen (VL) am Aktienmarkt teilhaben. Doch auch, wenn man diese aus der Gesamtzahl herausrechnet, ergibt sich mit 13,7 Millionen ein neuer Höchststand. Denn zum anderen gibt es eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahren das Investieren erleichtert hat: Direktbanken wie die ING, aber auch Fintechs wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten Depots an, die einfach zu eröffnen und günstig zu führen sind, häufig per App.

Ein wichtiger Aspekt dabei: Auch Sparpläne sind bei diesen Anbietern meist günstig und teilweise sogar kostenlos. Solche Daueraufträge auf Aktien, Fonds oder ETFs haben auch laut der Erhebung des DAI stark zum aktuellen Wachstum im vergangenen Jahr beigetragen. Mit ihnen können Anlegerinnen und Anleger regelmäßig kleinere Summen investieren und ihr Risiko streuen. Im Jahr 2025 nutzten das 5,3 Millionen Menschen in Deutschland, das sind auch ohne die erstmals erfassten VL-Sparer eine Million mehr als noch im Jahr zuvor. Viele der Anlegerinnen und Anleger sind außerdem eher jünger, mehr als die Hälfte des Gesamtanstiegs entfällt auf Menschen unter 40 Jahren. Und mehr Frauen investieren an der Börse als noch 2024: Die Zahl der Anlegerinnen (plus 24 Prozent) stieg stärker als die der Anleger (plus zwölf Prozent). Doch bis das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist, muss noch einiges passieren. Weiterhin investieren deutlich mehr Männer ihr Geld an der Börse, nämlich 8,7 Millionen versus 5,4 Millionen Frauen.

Die Zahlen zeigen auch, dass der Besitz von Aktienanlagen eine Frage des Einkommens ist. Je höher das Nettoeinkommen, desto größer ist der Anteil der Menschen, die an der Börse investieren.

Anhand der Zahlen des DAI lassen sich auch einige Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre beobachten. 2006 haben 10,3 Millionen Menschen an der Börse investiert. Diese Zahl sank zunächst, auch als Folge der globalen Finanz- und Schuldenkrise.

Doch seit 2015 zeigt der Trend trotz Schwankungen nach oben. Besonders stark wuchs die Zahl der Anlegerinnen und Anleger im ersten Corona-Jahr 2020, als sich trotz zwischenzeitlicher Kursstürze viele Menschen mit der Geldanlage in Aktien, Fonds und ETFs beschäftigten. Von 9,7 Millionen 2019 stieg sie binnen eines Jahres auf 12,4 Millionen Anlegerinnen und Anleger im Jahr 2020. Der neue Höchststand seit Erhebung der Daten kommt nun nach zwei Jahren mit leichten Rückgängen. Wie sehr die politischen Diskussionen um private Vorsorge schon dazu beigetragen haben, wurde nicht erfasst. Doch Friedrich Merz dürfte die Entwicklung gefallen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Finanzen für junge Menschen
:Der Weg zur ersten Geldanlage

Warum Geldanlage gerade für junge Menschen wichtig ist und man keine Angst vor dem Mysterium Finanzmarkt haben braucht: Eine Anleitung in fünf Schritten.

SZ PlusVon Torben Kassler

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: