Aktien Ausgeliefert

Logistik-Unternehmen wie die Deutsche Post versprechen hohe Renditen. Für Kleinanleger sind sie tückisch.

Von Lukas Zdrzalek

Frank Appel kann durchaus zufrieden sein - mit sich selbst. Seit nun beinahe zehn Jahren führt er die Geschäfte der Deutschen Post und hat in dieser Zeit den betulichen Staatskonzern zu einem der größten Logistiker der Welt umgebaut. An der Börse jedenfalls bekommt der Bonner Konzern dafür viel Anerkennung - vor allem in Form steigender Kurse: Um fast 150 Prozent hat sich die Post-Aktie in den vergangenen fünf Jahren verteuert.

Damit ist das Papier auch ein Symbol für eine Branche, die für Anleger durchaus lukrativ sein kann. Sparer haben es zurzeit ja schwer: Aufs geliebte Sparbuch gibt es keine Zinsen mehr, schuld ist die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Wer Rendite erzielen will, muss an die Finanzmärkte, muss etwa Aktien kaufen. Dabei möchten viele Anleger aber Wertpapiere kaufen, die zumindest annähernd so beständig sind wie das Sparbuch. Papiere, die möglichst wenig schwanken, die möglichst geringe Verlustrisiken bergen.

Logistikunternehmen wie die Post adressieren dieses Bedürfnis, zumindest scheinbar. Denn sie profitieren von gleich zwei übergeordneten und sehr konstanten Entwicklungen: der Globalisierung und der Digitalisierung. Durch die Globalisierung haben die weltweiten Warenströme enorm zugenommen, und zwar auf allen Verkehrswegen. Zugleich bestellen die Verbraucher im Zuge der Digitalisierung immer häufiger und immer mehr im Internet, bei Onlinehändlern wie Amazon, Zalando und Co. - und deren Pakete liefern dann wiederum Logistiker wie die Post, Fedex oder UPS nach Hause.

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So risikolos für Anleger wie sie auf den ersten Blick wirkt, ist die Branche allerdings nicht. Denn die Papiere von Logistikern sind nicht sonderlich beständig, sie "können teils erheblich schwanken", wie Jan-Patrick Weuthen vom Kölner Geldverwalter B&K Vermögen warnt. Der Grund: Das Wohl und Wehe der Unternehmen hängt überproportional stark von der Konjunktur ab. Wenn die Wirtschaft - wie derzeit - wächst, profitieren Konzerne wie die Post, weil sie immer mehr Waren transportieren dürfen. Schwächelt die Wirtschaft dagegen, bemerken Logistiker das mit als erste, ihnen drohen dann schnell Probleme, weil weniger verschickt wird. Die Post-Aktie beispielsweise ist nach der Finanz- und Wirtschaftskrise überdurchschnittlich stark gefallen: Zwischen Frühjahr 2007 und März 2009 verlor sie fast 75 Prozent an Wert.

Das zweite Risiko: "Tendenziell werden die Margen sinken, Logistiker verdienen pro transportiertem Produkt also weniger", sagt Stephan Witt vom Berliner Vermögensverwalter Finum Private Finance. Der Preisdruck sei groß, was an den Auftraggebern liegt: dem Handel, der selbst einen gnadenlosen Wettbewerb ausficht. "Die Händler müssen versuchen, die Preise der Logistiker immer weiter zu drücken, um selbst genug Gewinn zu erzielen", sagt Andreas Görler vom Vermögensverwalter Pruschke & Kalm. Dieses Problem verschärft sich für einige Logistiker noch, weil sie stark von einem einzelnen Kunden wie Amazon abhängig und der Preisdrückerei damit ausgeliefert sind.

Das dritte Risiko ist - zumindest für einige Logistiker - der Staat selbst. Die Unternehmen transportieren nicht nur Pakete, sondern wie die Deutsche Post auch Briefe. Der Staat redet dort teilweise mit, etwa indem er bestimmt, wie hoch die Ex-Monopolisten das Porto erhöhen dürfen. Die Gewinne hängen also immer wieder auch von Regierungsentscheidungen ab.

Bei Logistikaktien machen Fonds kaum Sinn, weil sie neue Risiken bergen können

Normalerweise können Anleger solche Risiken mindern, indem sie Fonds kaufen. Die investieren in viele Aktien zugleich und sind deshalb viel weniger vom Wohl und Wehe einer Firma abhängig. Während also beispielsweise die börsennotierte belgische Bpost Einbußen erleidet, weil sie das Porto nicht erhöhen darf, könnte die Deutsche Post florieren.

Ob der Postbote wohl gerade einem entnervten Sparer Bücher bringt, die erklären, was man noch bei Niedrigzinsen mit seinem Geld anstellen kann?

(Foto: Stephan Rumpf)

Nur ist es für Fonds kaum möglich, das Risiko ausreichend über mehrere Logistiker zu streuen - einfach weil es zu wenige von ihnen gibt. Die wenigen Aktienkompositionen in puncto Logistik können deshalb auch Papiere von Konzernen beinhalten, die nur teilweise in der Branche unterwegs sind. Dazu zählen etwa Fluggesellschaften, die auch Passagiere befördern, ein Geschäft mit wieder anderen Risiken. Dadurch entsteht zusätzlicher Aufwand: "Anleger müssen auch diese Risiken analysieren, um einzuschätzen, wie sich ein Fonds entwickelt", sagt Vermögensverwalter Andreas Görler. Ein Fonds könnte so beispielsweise selbst dann an Wert verlieren, wenn die Logistikbranche eigentlich boomt - weil das Passagiergeschäft der Airlines kriselt. "Für Sparer ist es sinnvoller, bei dieser Branche in einzelne Aktien zu investieren", sagt Görler.

Nur Sparer mit viel Vermögen sollten Einzelaktien kaufen. Sonst sind die Kosten zu hoch

Anleger sollten allerdings gleich mehrere Einzelwerte kaufen, um das Risiko zu streuen. Ansonsten würden sie sich zu abhängig machen von nur einem Unternehmen, vom Können der Manager. Das bedeutet zum einen Aufwand, weil Sparer jedes einzelne Unternehmen daraufhin analysieren müssen, wie gut es dasteht. Zum anderen entsteht ein neues Problem: Bei jedem Aktienkauf fallen Gebühren an, die je nach Bank bis zu zehn Euro betragen. Wer also Logistikpapiere für 2500 Euro kauft und die Summe über fünf Aktien streut, zahlt etwa 50 Euro an Gebühren - gut zwei Prozent des Anlagebetrags. Die Kosten sind damit vergleichsweise hoch, sie schmälern dementsprechend die Rendite.

Für Sparer machen Einzelinvestitionen daher erst Sinn, rät Görler, wenn sie die Kosten in den Promillebereich senken können. Wenn sie mehrere Papiere kaufen und je Aktie mindestens 2000 Euro investieren können. Das zeigt die Ironie der Logistiker: Das Massengeschäft von Post-Chef Frank Appel mit Briefen und Paketen, es lohnt nur für einen elitären, sehr vermögenden Kreis von Sparern.