bedeckt München 32°

Airport Kassel-Calden:Steuerzahler müssen einspringen

Was Kassel-Calden angeht, sprechen die Grünen in Hessen von einem "Katastrophenstart". Ihr Chef Tarek Al-Wazir fragt, "wie lange die Regierung es weiter für richtig hält, Steuermittel in einen Flughafen zu pumpen, den weder die Fluggäste noch die Fluggesellschaften wollen". Die Kosten für den Ausbau waren von zuletzt 150 Millionen auf 271 Millionen Euro gestiegen. Auch den Betrieb wird das Land über Jahre bezuschussen.

Flughafen Kassel-Calden kurz vor der Eroeffnung

Am 4. April öffnet der Flughafen Kassel-Calden

(Foto: dpa)

Die Testpassagiere kennen die Debatte. Sie sind trotzdem neugierig, die meisten kommen aus der Region. Bei schönem Wetter laufen sie zu Fuß zum Flieger. Linie 7000 steht wenige Meter vom Gate entfernt. "Boarding completed" meldet der Fahrer und lenkt seinen Bus einmal im Kreis über das Vorfeld. Destination: Mittagessen. Es gibt Hähnchenragout, Essen auf Bierbänken in einem Zelt.

Über Wochen haben die Verantwortlichen betont, dass es pünktlich losgeht - dass es in Calden anders läuft als am Problem-Flughafen in Berlin. Mirko Schubert, Leiter der Flughafentechnik, führt die Entrauchungsanlage vor - die hatte in Berlin nicht richtig funktioniert. In Calden öffnen sich einfach Luken im Dach. Eine Etage tiefer, dort, wo das Gepäck sortiert wird, gibt es Abzugsschächte. Als Schubert in die Halle kommt, streikt gerade das Gepäckförderband. Oben warten die Statisten auf ihre leeren Koffer. Die werden kurzerhand mit dem Lastenaufzug zu ihnen gebracht.

Zu wenig Passagiere

Improvisieren ist bei kleinen Flughäfen leichter als bei großen. Doch was hilft das, wenn die Passagiere fehlen? Der Flughafenverband ADV sprach Ende März vom "schlechtesten Jahresstart seit der Finanz- und Wirtschaftskrise". Die Menschen fliegen weniger, dazu kommen Streiks und Unruhen in Urlaubsländern wie Ägypten. Um Passagiere anzulocken, lassen Flughäfen Billigflieger wie Ryanair bei sich starten, die mehr Kunden bringen, aber weniger Gebühren zahlen. ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel geht davon aus, dass "2013 viele Regionalflughäfen am Markt zwar noch ihre Betriebskosten, aber nicht mehr ihre Kapitalkosten verdienen können". Dann muss der Steuerzahler einspringen.

So wie in Rheinland-Pfalz. Die rot-grüne Landesregierung hat eben einen Nachtragshaushalt beschlossen, der hauptsächlich deswegen notwendig wurde, weil der verschuldete Flughafen Hahn seine Kreditraten nicht zahlen konnte. 120 Millionen Euro sind nun als Hilfen vorgesehen. Das Land rechtfertigt das mit 10.000 Jobs, die rund um den Hahn entstanden seien.

"Das ist, wie in einem veganen Dorf in der Eifel eine Metzgerei aufzumachen"

"Regionalflughäfen machen nur in besonderen Fällen keine Verluste", sagt Jörg Ries, Sprecher der Geschäftsführung in Calden. Man dürfe Flughäfen nicht nur von der betriebswirtschaftlichen Seite betrachten. "Aber man muss auch fragen: Was bringt der Flughafen der Region?" Genauso argumentiert die Landesregierung in Wiesbaden. "Kassel und sein Umfeld ist eine wirtschaftliche Boomregion", sagt Finanzminister Thomas Schäfer. So wie der Staat für Straßen und Schienen sorge, müsse er für die entsprechende Infrastruktur im Luftverkehr sorgen.

Elmar Kleinert, Geschäftsführer des Flughafens Paderborn, sieht das nicht ein. "Kassel-Calden wird kannibalisieren, das ist ganz klar", sagt er. Paderborn laufen jetzt schon die Fluggäste davon, die Zahlen sind 2012 um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Eine Million Verlust hat Paderborn zuletzt gemacht, weil es zwar mit dem Betrieb Gewinn eingefahren hat, aber nicht genug, um den Erhalt der Gebäude und Anlagen zu finanzieren. "Es gibt keine Nachfrage für diesen Flughafen", sagt Kleinert über Kassel-Calden. "Das ist, wie in einem veganen Dorf in der Eifel eine Metzgerei aufzumachen."