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Airlines:Hoffen auf Erbarmen

Norwegian Air Shuttle ASA Operations As Airline Attracted 29.3 Million Passengers Last Year

Norwegian hat auch wegen der Probleme mit dem Boeing „Dreamliner 787“ Verluste angehäuft.

(Foto: Simon Dawson/Bloomberg)

Die Billigfluggesellschaft Norwegian hat sich mit ihrer schnellen Expansion verhoben. Nun will sie zwei Anleihen später zurückzahlen.

Die finanziell stark angeschlagene Fluggesellschaft Norwegian muss bei der versuchten Rettung auf das Entgegenkommen ihrer Gläubiger setzen. Das Unternehmen teilte am Montag mit, sie wolle zwei Anleihen deutlich später auszahlen und befinde sich in Verhandlungen mit Flugzeugleasingunternehmen, um günstigere Vertragsbedingungen zu erreichen. Die Anleiheeigner sollen die Schritte nach dem Willen von Norwegian bei einer Gläubigerversammlung am 16. September genehmigen.

Norwegian hatte in den vergangenen Jahren stark expandiert und versucht, das Billigflugkonzept auch auf den Langstrecken zu etablieren. Dabei hat das Unternehmen enorme Verluste und Schulden aufgehäuft, teilweise auch wegen nicht selbst- verschuldeter Faktoren wie den Triebwerksproblemen bei der Boeing 787-Flotte und dem Flugverbot der 737 MAX. Zuletzt war der Norwegian-Gründer Björn Kjos zurückgetreten, das Unternehmen wird derzeit interimistisch vom Finanzchef Geir Karlsen geleitet.

Norwegian gehört mit Wizz Air, Vueling und Eurowings zur zweiten Reihe der europäischen Billigfluggesellschaften - der Sektor wird von Ryanair und Easyjet dominiert. British Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) hatte 2018 zwei Übernahmeangebote für Norwegian abgegeben, die der Aufsichtsrat aber als nicht lukrativ genug abgelehnt hat. Die Airline ist nicht der einzige Anbieter, der sich beim Versuch, den Langstreckenmarkt für sich zu erschließen, verhoben hat. Nach hohen Verlusten zieht sich auch Lufthansa-Ableger Eurowings aus dem Segment wieder zurück, auch wenn die Flüge noch für eine Weile unter der Marke verkauft werden.

Bei Norwegian drängt die Zeit: Im Dezember 2019 und August 2020 werden zwei Anleihen in Höhe von insgesamt 380 Millionen Dollar zur Rückzahlung fällig. Norwegian will erreichen, dass die Gläubiger die Rückzahltermine auf November 2021 und Februar 2022 verschieben. Die Airline will zudem die Bedingungen für die Mindestliquidität lockern und eine Karenzzeit von 45 Tagen ab dem Moment billigen lassen, an dem sie die Marke von 1,5 Milliarden norwegischen Kronen (knapp 150 Millionen Euro) unterschreitet. Bislang verstößt sie gegen die in den Anleihen festgeschriebenen Bedingungen. Als Anreiz bietet Norwegian alle Aktien von Norwegian Air Norway (NAN) als Sicherheiten an - die Tochtergesellschaft hält unter anderem die wertvollen Start- und Landerechte am Flughafen London-Gatwick. Außerdem sollen die Anleiheeigner fünf Prozent höhere Auszahlungen bekommen.

Für Daniel Röska, Airline-Analyst bei Bernstein Research, ist der Fall klar: "Es handelt sich hier um eine Firma, die keinen Zugang zu frischem Kapital hat", schreibt er. "Norwegians Schulden sind zehnmal so hoch wie ihre Marktkapitalisierung. Eine Firma mit Zugang zum Kapitalmarkt hätte die Schulden mit einer neuen Anleihe refinanziert, aber dieser Weg bleibt für Norwegian offenbar blockiert. Nun ist es auf das Erbarmen der Anleiheeigner angewiesen." Stimmen diese zu, würden aber Liquiditätsengpässe im kommenden Winter und die wichtigsten Zwänge für das Jahr 2020 ausgeräumt werden.

Norwegian hat zuletzt versucht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um eine mögliche Pleite zu verhindern. In einem Sanierungsprogramm sollen die Kosten im laufenden Jahr um 200 Millionen Euro gesenkt werden, die Tochtergesellschaft Norwegian Finans Holding wurde für 220 Millionen Euro verkauft, dazu Flugzeuge für knapp 130 Millionen Dollar. Norwegian verhandelt zudem mit Investoren, die sich in bestehende Aufträge für Maschinen von Airbus und Boeing einkaufen sollen, um die Flugzeuge dann an andere Airlines zu vermarkten. Es gibt in der Branche allerdings erhebliche Zweifel daran, ob diese Transaktion gelingt. Sie hängt unter anderem an der Zustimmung von Airbus ab, und der Hersteller hat das Vorhaben bisher sehr skeptisch gesehen.