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Airbus:Schlechte Zeiten für Langstrecken-Jets

Airbus in Hamburg

Wegen der Corona-Krise hat Airbus im ersten Quartal Verlust gemacht. Im Bild ein Techniker im Airbus-Werk in Finkenwerder.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Bei Airbus rechnet man auch fürs zweite Quartal mit nur wenigen Aufträgen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Mitarbeiter hat Airbus-Chef Guillaume Faury zuletzt auf harte Zeiten eingestellt. "Das Überleben von Airbus steht in Frage," schrieb er ihnen am vergangenen Freitag in einem internen Brief, der anschließend den Weg in die Öffentlichkeit fand und auch alle diejenigen erschreckte, für die er gar nicht gedacht war. Als er am Mittwoch die schlechten Ergebnisse für die ersten drei Monate 2020 verkündete, war Faury bemüht, ein wenig optimistischer zu klingen.

Faury also hält es angesichts der Covid-19-Krise für denkbar, die Produktion noch weiter zu drosseln. Diese Entscheidung werde allerdings frühestens im Juni getroffen, nachdem sich das Unternehmen ein besseres Bild der Lage gemacht hat. Vor drei Wochen hatte Airbus beschlossen, die Produktionsraten für alle zivilen Flugzeugprogramme um rund ein Drittel zu reduzieren. Wenn das nicht ausreiche, dann werde der zweite Einschnitt wahrscheinlich aber weniger tief sein. Zwar hat Airbus im ersten Quartal rund acht Milliarden Euro negativen freien Cash-Flow ausgewiesen. Dennoch glaubt Finanzchef Dominik Adam, dass Staatshilfen nicht nötig sein werden und das Unternehmen den Abfluss der Liquidität im vierten Quartal stoppen kann.

Die Krise der Fluggesellschaften und Leasingunternehmen hat Airbus ab März voll getroffen - die Kunden konnten entweder aus finanziellen oder logistischen Gründen 60 fertige Maschinen nicht mehr übernehmen. Für das zweite Quartal erwartet Faury "sehr wenige" Auslieferungen, nachdem Airbus in den ersten drei Monaten immerhin noch 122 Jets übergeben konnte. Allerdings rechnet er auch damit, dass sich die Lage im dritten Quartal wieder verbessert und mehr Kunden Flugzeuge abnehmen können. Airbus werde bei der Produktion flexibel reagieren und darauf achten, dass nicht zu viele Maschinen abgestellt werden müssen.

Trotz der Einschnitte bereitet sich das Unternehmen aber auch darauf vor, die Produktion schnell wieder hochfahren zu können. Der Markt für Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge wird sich laut Faury schneller erholen als der für Langstreckenjets. Bei den Großraummaschinen rechnet Faury mit einer Rückkehr zum alten Niveau zwischen 2023 und 2025, bei den kleineren Jets schon früher. Wichtige Entwicklungsprogramme wie der A321XLR würden fortgesetzt. Forschung und Entwicklung für umweltfreundlichere Flugzeuge würden ausgesetzt, um Geld zu sparen, später aber "wahrscheinlich schneller" wieder hochgefahren.

Im ersten Quartal war der Umsatz bei Airbus um 15 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Konzern machte einen Netto-Verlust von 481 Millionen, im Vorjahr war es noch ein kleiner Gewinn von 40 Millionen Euro.

© SZ vom 30.04.2020

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