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Airbus:Rettung aus Dubai

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Der A380 wird weiter gebaut: Emirates vergibt an Airbus einen milliardenschweren Auftrag. Die Produktion ist für die nächsten Jahre gesichert.

(Foto: Eric Feferberg/AFP)

Emirates bestellt bis zu 36 Exemplare des "A380" - und verhindert ein Aus des größten Passagierflugzeugs der Welt.

Airbus hat sich nach einem Folgeauftrag von Emirates offenbar festgelegt, das Großraumflugzeug A380 für mindestens zehn Jahre weiterzubauen und folgt damit einer Forderung des größten Abnehmers. Airbus-Verkaufschef John Leahy sagte, er glaube, nun würden weitere Aufträge folgen, die die Produktion bis weit nach 2030 sicherstellen.

Emirates hatte am Donnerstag nach monatelangen Verhandlungen eine Absichtserklärung für den Kauf von bis zu 36 Flugzeugen unterschrieben, 20 davon sind feste Aufträge, 16 sind Optionen, die später in verbindliche Bestellungen umgewandelt werden können. Der Auftrag hat ein Volumen von 16 Milliarden US-Dollar (nach Listenpreisen). Viel wichtiger ist aber, dass die Einigung in letzter Minute sicherstellt, dass das Großraumflugzeug überhaupt weitergebaut werden kann. Leahy hatte Anfang der Woche gewarnt, dass ohne den Emirates-Auftrag die Produktion des erst im Jahr 2000 offiziell gestarteten Flugzeuges eingestellt werden müsse, was eine riesige Blamage für die europäische Luftfahrtindustrie wäre. Allerdings zahlt Airbus einen hohen Preis. Einst lieferte das Unternehmen etwa 30 A380 pro Jahr aus, 2018 werden es 12 und 2019 nur noch acht sein. In den Folgejahren könnte die Produktion auf bis zu sechs Maschinen absinken, einem Niveau, auf dem das Programm keine operativen Gewinne erreicht. Dass Airbus jemals die mehr als 20 Milliarden Euro an Entwicklungskosten für das Projekt wieder hereinholen wird, glaubt sowieso keiner in der Branche mehr.

Aufträge für die A380 waren weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, weil die Fluggesellschaften das Risiko mehr und mehr scheuten, ein so großes Flugzeug füllen zu müssen und stattdessen kleinere Maschinen wie der Airbus A350 oder die Boeing 787 auf den Markt kamen, die ähnliche Kosten pro Sitzplatz erreichten. Emirates hatte bisher 142 Maschinen bestellt, knapp die Hälfte aller 317 A380, die Airbus als feste Aufträge auflistet. Mit dem Folgeauftrag erhöht sich die Abhängigkeit vom größten Kunden weiter, denn nun ist Emirates mehr oder weniger für den gesamten verbleibenden Auftragsbestand zuständig. Aber selbst der größte Abnehmer, der in Dubai ein großes Drehkreuz betreibt, hatte zuletzt sehr gezögert und wollte von Airbus weitgehende Garantien für die weitere Produktion des Flugzeuges. Airbus war unter enormen Druck, weil schon 2020 eine Lücke in der Produktion klaffte. Wegen der langen Vorlaufzeiten für die Lieferanten hätte Airbus das Programm ohne weiteren Auftrag für die Zeit schon in den kommenden Wochen einstellen müssen.

Die Auslieferungen der zusätzlichen A380-Jets sollen 2020 beginnen. Auf ihrer Basis will Emirates bis 2027 pro Jahr sechs Maschinen des Typs bauen. Sollte Emirates die 16 Optionen umwandeln, würde das die Produktion bis 2029 absichern. Airbus spekuliert darauf, dass wegen des starken Wachstums im internationalen Luftverkehr die Nachfrage nach besonders großen Maschinen früher oder später anziehen wird. Für Leahy, der Ende Januar in Ruhestand geht, ist die Einigung ein letzter großer Coup.

© SZ vom 19.01.2018

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