bedeckt München 26°

Airbus: Pannenflieger A400M:Er ist gerettet, er ist nicht gerettet

Verwirrspiel um den A400M: Erst prescht Spanien vor und behauptet, die Zukunft des Militärfliegers sei gesichert. Kurz darauf wiegelt Deutschland ab.

Es klang wie der langersehnte Durchbruch: Die Zukunft des Airbus-Militärtransporters A400M sei gerettet, hieß es von spanischer Seite. Zum Auftakt eines EU-Verteidigungsministertreffens am Mittwoch in Palma de Mallorca sagte die spanische Ressortchefin Carme Chacon: "Wir haben eine prinzipielle Einigung zwischen den sieben Bestellernationen und dem Airbus-Mutterkonzern EADS erreicht." Einzelheiten zu dem Durchbruch, um den mehr als ein halbes Jahr erbittert gerungen wurde, sollen am Donnerstag bekanntgegeben werden.

EADS-Entscheidung steht aus

Doch EADS wollte die Einigung allerdings nicht bestätigen. Ein Konzernsprecher sagte in einem Interview: "Alle Parteien arbeiten an einer für alle Seiten akzeptablen Lösung." Auch Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg blieb verhalten: "Ich denke es gibt konstruktive Verhandlungen, und wir werden eine Einigung erzielen", erklärte er in Berlin.

Ein Ministeriumssprecher sagte gar, es gebe keinen neuen Sachstand. Die sieben Käuferstaaten, darunter Deutschland, hatten vor rund einer Woche dem Hersteller EADS/Airbus ihr letztes Angebot über die Aufteilung der Milliarden-Mehrkosten vorgelegt.

"Bisher gibt es auf dieses finale Angebot keine Antwort der Industrie", sagte er. Erst wenn EADS geantwortet habe, gebe es eine Grundlage für weitere Verhandlungen.

EADS und die Regierungen von Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Luxemburg, Spanien und der Türkei konnten sich bislang nicht auf die Aufteilung der Sonderkosten von mindestens 5,2 Milliarden Euro einigen.

Die spanische Verteidigungsministerin Chacon sagte nun: "Das Airbus-Projekt wird ein Erfolg für Europa." EADS wollte, dass die beteiligten Staaten einen Großteil der Zusatzkosten übernehmen. Unter anderem der Bundesregierung war dies zu viel.

Nach Angaben Berlins waren die beteiligten Staaten bereit, zwei Milliarden Euro zu schultern. Frankreich schlug kürzlich einen zusätzlichen Kredit von 1,5 Milliarden Euro vor.

Doch auch damit klaffte zuletzt immer noch eine Finanzierungslücke von einer Milliarde Euro. Noch am Montag hatte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin betont, man werde nicht mehr Geld bereitstellen.

Airbus-Chef Thomas Enders hatte mehrfach mit dem Scheitern gedroht. EADS drängte die Regierungen zu einer baldigen Entscheidung. Falls nicht, werde der Konzern Geld, Personal und Ausrüstung von dem Projekt abziehen und anderen Aufgaben zukommen lassen. Dies wäre ein herber Rückschlag für die europäische Rüstungsindustrie und ein massiver Imageverlust für Airbus gewesen gewesen.

Und die europäischen Luftwaffen sind dringend auf die Neuentwicklung angewiesen. Im Dezember startete der A400M mit rund dreijähriger Verspätung zu seinem Jungfernflug, bei dem es aber auch zu technischen Pannen gekommen war. Der Transporter ist mit den bislang leistungsstärksten Turboprop-Triebwerken ausgerüstet und soll doppelt so viel Ladung schneller und flexibeler transportieren können als der Konkurrent Hercules des US-Konzerns Lockhead.

© sueddeutsche.de/AP/hgn/pak

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite