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Luftfahrtindustrie:Airbus baut um

Die neue Firma, die aus Premium Aerotec hervorgeht, ist etwa für den mittleren Rumpf der A320-Familie zuständig.

(Foto: oh)

Premium Aerotec und Stelia Aerospace sollen nicht mehr verkauft werden. Airbus will sich aber vom Geschäft mit Kleinteilen trennen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

In den Nuller-Jahren galt es in der Luftfahrt als schick, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Für Airbus hieß das: Flugzeuge entwickeln, zusammenbauen und verkaufen. Konkurrent Boeing hatte gerade sein Werk in Wichita/Kansas verkauft in dem unter anderem der Rumpf der 737 gebaut wird. Und so gründete auch Airbus 2009 einige der großen Werke in Deutschland und Frankreich aus, es entstanden die Tochtergesellschaften Premium Aerotec und Aerolia (heute Stelia Aerospace). Sie sollten verkauft werden, doch daraus wurde aus vielen Gründen nichts.

Zwölf Jahre später ist die Kehrtwende endgültig vollzogen. Airbus-Chef Guillaume Faury, seit zwei Jahren im Amt, hatte schon vor Wochen angekündigt, dass der Bau komplexer Strukturelemente wie Rumpfteilen auf Dauer zum Kern von Airbus gehöre und daher Premium Aerotec und Stelia (zum großen Teil) wieder integriert werden sollten. Airbus solle im Rahmen seiner Strategie Digital Design, Manufacturing and Services (DDMS), in der Entwicklung, Bau und Wartung einheitlich digital geplant und überwacht werden, die Kontrolle über so wichtige Arbeitsschritte und Strukturbauteile nicht aus der Hand geben. Nun liegen seine Pläne im Detail auf dem Tisch.

Demnach wird Airbus in Deutschland und Frankreich insgesamt drei neue Firmen gründen. In Deutschland werden große Teile von Premium Aerotec mit dem Airbus-Werk in Stade sowie der Strukturfertigung in Hamburg zusammengelegt. In Frankreich fusioniert Stelia mit den Airbus-Standorten in Nantes und Saint-Nazaire. Eine weitere Firma soll sich mit der Fertigung von Kleinteilen befassen. Sie führt das Premium Aerotec-Werk 4 in Augsburg, die Standorte Varel sowie Brasov/Rumänien zusammen. Diese soll womöglich verkauft werden und kann dann auch für andere Hersteller arbeiten.

Die beiden großen neuen Tochtergesellschaften sind vor allem dafür zuständig, große Rumpfsektionen zu fertigen. Die neue Firma, die aus Premium Aerotec hervorgeht, ist etwa für den mittleren Rumpf der A320-Familie zuständig und baut den vorderen Teil der A330 und A350 sowie die hinteren Sektionen für alle Airbus-Programme. In den Struktur-Spezialisten werden fast 20 000 Mitarbeiter beschäftigt sein, rund 7000 davon in Deutschland.

In den vergangenen Jahren wäre ein solcher Umbau wohl schwierig geworden, denn Airbus hatte große Mühe, im Normalbetrieb die riesige Nachfrage zu bedienen und die geplanten Produktionsraten zu erreichen. Die Corona-Krise eröffnet nun aber die Chance, bei relativ geringer Produktion und somit geringerem Risiko, den laufenden Betrieb durcheinander zu bringen, Änderungen vorzunehmen. Airbus hat die Produktion gegenüber früheren Plänen um etwa 40 Prozent gedrosselt. Umgesetzt werden sollen die Änderungen zum 1. Januar 2022.

© SZ/shs
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