Premium Aerotec:Airbus hält an Verkaufsplänen fest

Premium Aerotec: Bei Airbus glaubt man, Teile des hauseigenen Zulieferers Premium Aerotec hätten außerhalb des Konzerns bessere Zukunftschancen.

Bei Airbus glaubt man, Teile des hauseigenen Zulieferers Premium Aerotec hätten außerhalb des Konzerns bessere Zukunftschancen.

(Foto: Premium AEROTEC)

Die Zuliefer-Tochter Premium Aerotec soll die Kleinteilefertigung abspalten, weil sie zu teuer ist. Rund 3000 Mitarbeiter wären betroffen - IG Metall und Betriebsrat lehnen dies ab.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Wenn es nach dem Willen des Airbus-Managements ginge, wäre die Sache längst klar: Ein Teil des hausinternen Zulieferers Premium Aerotec, der große Flugzeugstruktur-Komponenten, aber auch kleine Einzelteile baut, ist aus seiner Sicht in der aktuellen Form nicht wettbewerbsfähig und soll verkauft werden. Und um überhaupt die Kosten in den Griff zu bekommen, müssten viele Arbeitsplätze gestrichen werden. Es gibt auch schon Kaufinteressenten. Doch nun droht sich die Entscheidung über die Zukunft des Augsburger Unternehmens in die Länge zu ziehen. Ausgang: offen.

Der Grund ist der massive Widerstand der Arbeitnehmer. Die IG Metall hat den Verkauf als "rote Linie" bezeichnet, die nicht überschritten werden dürfe. "Wir brauchen eine einvernehmliche Lösung", sagt Airbus-Finanzvorstand Dominik Asam im SZ-Gespräch. "Mir ist eine richtige Lösung wichtiger als eine schnelle." Nach der Sommerpause soll weiterverhandelt werden, aber das Zieldatum 1. Januar 2022 für den Umbau wankt schon jetzt.

Der Airbus-Konzernbetriebsrat fordert in einem Schreiben weiter "den Verzicht auf Verkauf und Abspaltung", feste Zusagen über Arbeitspakete und Zukunftsperspektiven für Standorte und Mitarbeiter. Anfang August sprechen Vertreter des Konzernbetriebsrates und der IG Metall in der Sache bei Kanzleramtsminister Helge Braun vor, Airbus selbst war in der vergangenen Woche in Berlin.

Laut Airbus sind die Kosten um etwa 30 Prozent zu hoch

Airbus hat den Bau von großen Rumpfsektionen und kleinen Bauteilen in die zwei weitgehend eigenständigen Tochterunternehmen Premium Aerotec (Deutschland) und Stelia Aerospace (Frankreich) ausgelagtert. Beide sollten eigentlich einmal verkauft werden, doch Konzernchef Guillaume Faury kassierte die Pläne im Frühjahr und will sie nun wieder stärker integrieren. Stelia soll mit einigen Airbus-Standorten in Frankreich, Premium Aerotec mit Airbus-Werken in Deutschland zu neuen, größeren Tochtergesellschaften zusammengeführt werden. Ausnahme: die Kleinteilfertigung in Deutschland, in der rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Hier sind laut Airbus die Kosten um bis zu 30 Prozent zu hoch.

Asam, der auch Aufsichtsratsvorsitzender von Premium Aerotec ist, beschreibt ein Szenario, in dem die Sparte außerhalb von Airbus aus seiner Sicht bessere Chancen hätte. Andere Unternehmen aus der Luftfahrt würden die Bauteile nicht einkaufen, solange das Geschäft im Besitz von Airbus sei. Um in andere Branchen wie die Automobilindustrie oder die Medizintechnik zu expandieren, fehle heute das Know-How. Ein neuer Eigentümer müsse zwar investieren, könne aber beides erreichen: neue Kunden aus der Luftfahrt finden, die für Airbus nicht zu angeln sind, und in neue Geschäftsfelder hineinwachsen.

Daher will Airbus an den Verkaufsplänen festhalten: "Die Präferenz ist ganz klar und besteht auch weiter," so Asam. Er deutete an, dass Airbus bereit sei, über langfristige Abnahmegarantien zu verhandeln, zumal der Konzern die Teile derzeit ausschließlich von der Premium Aerotec-Sparte beziehe. Würde der Bereich, der auf die Standorte in Augsburg und Varel aufgeteilt ist, bei Premium Aerotec bleiben, würde eine Restrukturierung "einen erheblichen Teil" der Beschäftigten treffen, so Airbus.

© SZ
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