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Airbus:Airbus erhält größten Auftrag der Unternehmensgeschichte

Ein Airbus-Flieger beim Start.

Ein Airbus-Flieger beim Start.

(Foto: AFP)
  • Vier Billigfluggesellschaften bestellen 430 Maschinen für die Kurz- und Mittelstrecke.
  • Nach Listenpreis hat die Bestellung einen Wert von 42 Milliarden Euro. Durch übliche Rabatte dürfte der Betrag deutlich sinken.
  • Die Airlines könnten mit den neuen Jets den Konkurrenzkampf in Europa beleben.

Airbus hat sich den nach der Zahl der Flugzeuge größten Auftrag in der Unternehmensgeschichte gesichert. Vier Billigfluggesellschaften bestellten gemeinsam 430 Maschinen der A320neo-Familie, die auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt werden. Airbus, die Beteiligungsgesellschaft Indigo Partners und die vier Fluglinien gaben am Mittwoch bei der Dubai Airshow eine Absichtserklärung bekannt.

Bei den vier Unternehmen handelt es sich um Frontier Airlines, Jetsmart, Volaris und Wizz Air - Billiganbieter mit Sitz in den USA, Chile, Mexiko und Ungarn. Ihnen allen gemein ist die Verbindung zum Finanzinvestor Indigo Partners und dessen Gründer Bill Franke: Frontier und Jetsmart gehören Indigo komplett, an Volaris ist das Unternehmen beteiligt. Im Sommer 2017 hatte Indigo seinen Anteil von 18,7 Prozent an Wizz Air, die auch nach Deutschland fliegt, verkauft. Franke selbst hält noch 0,1 Prozent der Aktien.

Für alle vier bedeuten die Aufträge riesiges Wachstum, für den deutschen Markt ist vor allem die Entwicklung der auf Ultra-Billigflüge ausgelegten Wizz Air beachtenswert. Die ungarische Fluggesellschaft betreibt derzeit 86 Flugzeuge und wartet noch auf 130 weitere aus einem früheren Airbus-Auftrag. Nun kommen aus dem Indigo-Paket noch einmal 146 Flugzeuge hinzu. Damit dürfte Wizz Air in den kommenden Jahren zu einem der ganz großen Anbieter von Billigflügen in Europa aufsteigen und sich mit Lufthansa-Ableger Eurowings ein Rennen um den dritten Platz hinter Ryanair und Easyjet liefern.

Frontier Airlines mit Sitz in Denver soll 134 Flugzeuge übernehmen, Volaris 80 sowie Jetsmart 70. Offen blieb zunächst, wann die Flugzeuge ausgeliefert werden und mit welchen Motoren sie ausgestattet werden. Die Entscheidung zu den Triebwerken soll aber schon bald getroffen werden.

Nach Listenpreis hat der kombinierte Auftrag einen Wert von knapp 50 Milliarden Dollar. Allerdings sind bei Großbestellungen große Rabatte üblich - die vier dürften tatsächlich weniger als die Hälfte des Betrages für die neuen Maschinen ausgeben. Emirates hatte vor vier Jahren ebenfalls bei der Dubai Airshow Aufträge im Wert von knapp 100 Milliarden Dollar bekanntgegeben, für 50 Airbus A380 sowie 150 Boeing 777.

Produktion soll ausgeweitet werden

Für Airbus ist das Geschäft ein versöhnlicher Ausklang einer turbulenten Woche, in der Emirates eine geplante Folgebestellung für den A380 kurzfristig platzen ließ. Das Jahr 2017 lief bei den Aufträgen nach mehreren sehr guten bis rekordverdächtigen Jahren sehr mager, bislang hatten Airlines und Leasinggesellschaften nur 288 Maschinen fest bestellt. Boeing hatte bis Anfang November 690 Bestellungen erreicht, sich seither aber weitere Aufträge gesichert. Der größte, über 225 Maschinen der 737 MAX-Baureihe, kommt von der Emirates-Schwestergesellschaft FlyDubai, die vom Flughafen Dubai aus ein Streckennetz auf kürzeren Strecken innerhalb der Region sowie nach Asien und Afrika aufbaut. Emirates und FlyDubai wollen künftig enger zusammenarbeiten und Umsteigeflüge anbieten. Damit kann das Emirates-Drehkreuz in Dubai wieder schneller wachsen, nachdem die lange Zeit erfolgsverwöhnte Fluggesellschaft zuletzt die Expansion stark verlangsamt hatte.

Airbus ist dabei, die Produktion der A320neo-Familie bis 2019 auf 60 Flugzeuge pro Monat auszuweiten, so viele wie noch nie zuvor. Auch Boeing produziert mehr Jets der 737-Reihe als je zuvor. Weltweit beflügeln vor allem Billigfluggesellschaften eine starke Nachfrage, während die klassischen Anbieter im Kurzstreckengeschäft stagnieren.

© SZ vom 16.11.2017/been
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