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Airbnb:Wohnen lassen

Trägt der US-Konzern Airbnb zur Wohnungsnot in Großstädten bei? Bislang beruhten die Vorwürfe auf Vermutungen. Nun hat das Unternehmen erstmals konkrete Vermietungszahlen in Deutschland preisgegeben.

Art Installation Targets Airbnb And Gentrification

Kunst gegen Airbnb in Kreuzberg. Kritiker machen den US-Konzern mitverantwortlich dafür, dass die Mieten steigen.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Wer eine Wohnung sucht, hat es in den größeren Städten Deutschlands zumeist schwer. Überfüllte Besichtigungen und horrende Mieten - seit mittlerweile mehr als zehn Jahren ist der Wohnungsmarkt in vielen Regionen angespannt. Eine Mitschuld am Problem soll der US-Wohnungsvermittler Airbnb tragen. Auf der Plattform standen hierzulande Anfang 2019 rund 160 000 Unterkünfte für Kurzzeit-Mieter zur Verfügung und würden somit dem allgemeinen Wohnungsmarkt entzogen. So sehen es zumindest die Airbnb-Kritiker. Aber stimmt das überhaupt?

Eine von Airbnb beauftragte Studie des Berliner Wirtschafts- und Sozialforschungsinstituts Empirica soll nun einen Einblick in die tatsächlichen Auswirkungen durch Kurzzeit-Vermietungen geben. Laut den Daten, die Empirica aus der Konzernzentrale in San Francisco für vier Städte erhielt, vermittelt die Plattform in Berlin derzeit 26 500 Unterkünfte, in München sind es mit 11 000 etwas mehr als in Hamburg mit 9400, während in Dortmund 550 Unterkünfte aktiv angeboten werden. Das entspricht in Berlin und München in etwa sieben Wohnungen auf 1 000 Einwohner, fünf in Hamburg und eine in Dortmund. Über die Studie hatte zunächst das Handelsblatt  berichtet.

Ob dem Markt durch Kurzzeitvermietungen eine Wohnung entzogen wird, hänge laut Empirica von der Art der Unterkunft und der Dauer der Vermietung ab. Demnach sei lediglich die Vermietung von vollständigen Wohneinheiten mit einer Buchungsdauer ab 137 Tagen für die Vermieter finanziell interessant und als gewerbliche Vermietung einzustufen. Dieses Kriterium erfüllen in Berlin 2600 Unterkünfte. 725 Münchner und 575 Hamburger Wohnungen sind 137 Tage oder häufiger untervermietet, sowie 65 Unterkünfte in Dortmund.

Einen spürbaren Zusammenhang zwischen Mietpreissteigerungen und der Entwicklung angebotener Unterkünfte auf Airbnb in den Städten sehen die Autoren der Studie nicht. Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes, ist jedoch anderer Meinung. Zwar sei die Kurzzeitvermietung über Airbnb nicht allein die Ursache für knappen Wohnraum in deutschen Großstädten, doch die Plattform trage dazu bei. "Eine Wohnung, die zum Beispiel nur 90 Tage im Jahr zur Vermietung angeboten wird, steht dem Markt schlicht und ergreifend nicht zur Verfügung", sagt Ropertz. "Auch erfasst die Studie nicht die Wohnungen, die über andere Kanäle vermittelt werden."

So könnte die Dunkelziffer der Wohnungen, die über persönliche Beziehungen, Social-Media-Kanäle oder erneute Kontaktaufnahme eines ehemaligen Airbnb-Mieters vergeben werden, deutlich höher liegen. Der Mieterbund kritisiert zudem das unausgeglichene Verhältnis von neuen Sozialwohnungen und den angebotenen Wohnungen auf Airbnb. "27 000 Sozialwohnungen wurden zuletzt gebaut - wenn man dann sieht, dass 160 000 Wohnungen auf Airbnb angeboten werden, begreift man erst die Dimensionen. Es gibt hier ein Problem, das Städte zu Recht bekämpfen", sagt Ropertz.

Städte wie Berlin und München beklagten indes schon vor Jahren das massenweise Umwidmen von Wohnungen in Ferienunterkünfte und versuchen mit schärferen gesetzlichen Regelungen und Bußgeldern gegen die Zweckentfremdung anzukämpfen. So ist beispielsweise jede Vermietung der gesamten Wohnung in München ab acht Wochen im Jahr genehmigungspflichtig - in Berlin sogar bereits vom ersten Tag an. Dabei fallen für jede Genehmigung einer Zweckentfremdung auch Gebühren an.

Eine Zweckentfremdung liegt vor, wenn Wohnraum zum Beispiel beruflich oder gewerblich genutzt wird oder länger als drei Monate leer steht. Wer sich keine Genehmigung einholt, kann in München und in der Hauptstadt mit einem Bußgeld von bis zu 500 000 Euro sanktioniert werden.

Doch selbst die grundsätzliche Genehmigungspflicht brachte zumindest in Berlin herzlich wenig: Während die Zahl der angebotenen vollständigen Wohneinheiten sich um die 13 000 bewegt, liegen in der Senatsverwaltung offenbar lediglich 4 150 Anträge auf zweckfremde Nutzung zum Wohnen in Ferienwohnungen vor. In Hamburg funktioniert die Registrierung zuverlässiger. Vermieter können sich hier online über eine Schnittstelle registrieren, die Airbnb zur Verfügung stellt. Darüber hinaus wissen wohl auch nur wenige Nutzer der Plattform, dass die Einnahmen aus Vermietungen, auch wenn diese nur kurzzeitig erfolgen, in der Steuererklärung anzugeben sind.