TourismusWarum die Airbnb-Aktie abgestürzt ist

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Will das Vermieten ebenso populär wie das Reisen machen: die Vermittlungsplattform Airbnb.
Will das Vermieten ebenso populär wie das Reisen machen: die Vermittlungsplattform Airbnb. (Foto: Dado Ruvic/Reuters)

Der Kurs der Airbnb-Aktie ist um 14 Prozent gefallen, das ist der stärkste Einbruch seit dem Börsengang vor vier Jahren. Die Onlinebuchungsplattform steht aus mehreren Gründen unter Druck.

Von Sonja Salzburger

Schwierige Zeiten für Airbnb: Die Vermietungsplattform hat am Dienstag Geschäftszahlen bekannt gegeben, die hinter den Markterwartungen zurückgeblieben sind. Daraufhin ist die Aktie um 14 Prozent abgestürzt. Das ist der stärkste Einbruch seit dem aufsehenerregenden Börsengang im Dezember 2020 mitten in der Corona-Krise, als das Unternehmen seinen Kurs an einem Tag verdoppelte.

Im Sommer 2024 scheint von der einstigen Euphorie nicht mehr viel übrig zu sein. Zwar ist der Umsatz den Unternehmensangaben zufolge um elf Prozent auf 2,75 Milliarden US-Dollar gewachsen. Aber der Gewinn ist im zweiten Quartal um knapp 15 Prozent auf 555 Millionen Dollar zurückgegangen. Auch für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen mit geringeren Erlösen als erwartet.

Nach dem Ende der Corona-Pandemie war das Fernweh bei vielen Menschen groß. 2023 freute sich die ganze Reisebranche über Nachholeffekte, auch Airbnb profitierte davon. Doch nun steht das Geschäftsmodell des 2007 gegründeten Unternehmens aus mehreren Gründen unter Druck. Wegen der derzeit unsicheren Konjunkturaussichten buchen viele Reisende ihre Aufenthalte kurzfristiger und bleiben nicht mehr so lange. In finanziell angespannten Zeiten sparen viele Verbraucher an Urlaubsreisen, darunter leiden auch andere Branchenteilnehmer wie beispielsweise der Airbnb-Konkurrent Booking.

Demonstrationen gegen Overtourism setzen Airbnb politisch unter Druck

In den vergangenen Jahren hatten die Airbnb-Gründer stets betont, wie sehr ihnen der pandemiebedingte Siegeszug der Digitalisierung nützen werde, ermögliche er Angestellten in Bürojobs doch, remote von überall aus zu arbeiten – vorzugsweise aus Airbnb-Wohnungen an Urlaubsorten. „20 Prozent unseres Geschäfts entfallen mittlerweile auf Langzeitaufenthalte. Das bedeutet, die Leute bleiben 30 Tage oder länger an einem Ort“, sagte Nathan Blecharczyk, einer der drei Gründer, im November 2021 im Interview mit der SZ. Doch seit dem Ende der Corona-Pandemie verlangen die meisten Firmen von ihren Mitarbeitern, wieder regelmäßig im Büro zu erscheinen, was lange Workation-Aufenthalte erschwert.

In diesem Jahr regt sich außerdem an vielen beliebten touristischen Orten Widerstand gegen die Auswirkungen des Massentourismus, insbesondere in Spanien. Die Demonstrationen überraschen in ihrer Heftigkeit nicht nur Branchenbeobachter und verunsichern manche Reisende, Airbnb setzen sie politisch unter Druck. Als einer der wichtigsten Gründe für den Frust der Einheimischen gilt der Wohnraummangel. Für den wird Airbnb mitverantwortlich gemacht, da es vielerorts für Vermieter lukrativer ist, ihre Wohnungen Touristen als Feriendomizil anzubieten, anstatt sie dauerhaft zu vermieten. Dennoch will Airbnb an seinem im vergangenen Jahr erklärten Ziel festhalten, „das Vermieten genauso populär wie das Reisen zu machen“ und die Anzahl der derzeit acht Millionen aktiven Inserate auf der Plattform weiter zu steigern.

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