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Air Berlin:So desaströs ist die Lage bei Air Berlin

Air Berlin

2016 musste Air Berlin den höchsten Verlust der Konzerngeschichte verkraften.

(Foto: dpa)
  • Air Berlin hat im vergangenen Jahr 782 Millionen Euro Verlust gemacht. So groß war das Minus der Airline noch nie.
  • Der neue Konzernchef steht vor einer großen Aufgabe, denn auch die Zahlen für das erste Quartal 2017 verheißen nichts Gutes.

Alles sollte besser werden im neuen Jahr: Mehr Langstreckenverbindungen, deutliche Kostensenkungen und endlich der Sprung in die schwarzen Zahlen. So hatte es der damalige Air-Berlin-Chef Stefan Pichler angekündigt. Doch der Plan scheiterte, Pichler musste nach nur zwei Jahren seinen Chefposten räumen und die deutsche Fluggesellschaft rutschte noch tiefer in die roten Zahlen.

Sie hat nun auch ihr Ergebnis für das vergangene Jahr mitgeteilt - es fällt desaströs aus. Im Jahr 2016 machte Air Berlin einen Verlust von 782 Millionen Euro. Es ist der höchste Verlust der Konzerngeschichte und nach einem Minus von 447 Millionen Euro im Jahr zuvor und 335 Millionen Euro im Jahr 2014 der dritte Rekordverlust in Folge.

Grund dafür sind laut Air Berlin unter anderem Extrakosten für den Konzernumbau. Die Airline ist gerade dabei, ihr Geschäft in drei Teile aufzuteilen: Etwa 40 Flugzeuge werden künftig an die Lufthansa vermietet, weitere gehen an ein Ferienflug-Gemeinschaftsunternehmen mit TUI. Mit den verbleibenden 75 Flugzeugen will Air Berlin sich dann auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf sowie auf Flüge nach Übersee konzentrieren.

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Kaffee, Wasser und Bier gibt es künftig nicht mehr umsonst. Für wichtigere Passagiere startet die kriselnde Airline eine neue Business Class.

Der Konzern steckt schon seit Jahren in der Krise. Als Auslöser gilt ein übereilter Expansionskurs und zahlreiche Strategiewechsel, die wenig zielführend waren. Nur ein einziges Mal machte das Unternehmen in den vergangenen neun Jahren Gewinn. Im Februar holte die Airline mit Thomas Winkelmann einen neuen Chef, der die Airline zum Erfolg zurückführen soll. Winkelmann hatte für die Lufthansa einst den Billigflieger Germanwings aufgebaut. Vor ihm liegt eine Menge Arbeit: Das Unternehmen betonte am Freitag zwar, es habe genug Liquidität, um seine Restrukturierung fortzusetzen. Die Schulden der Airline liegen mittlerweile allerdings bei 1,2 Milliarden Euro, und im Eigenkapital - üblicherweise ein Puffer für schlechte Zeiten - klafft ein Loch von 1,5 Milliarden Euro.

Und auch die Ergebnisse des ersten Quartals 2017 dürften nicht gerade für Optimismus sorgen: Der Fehlbetrag Air Berlins weitete sich auf 293 Millionen Euro aus - von 182 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Fraglich ist, ob der Großaktionär Etihad in Zukunft noch den verlässlichen Retter geben wird, der er in den vergangenen Jahren war. Die staatliche Fluglinie der Herrscherfamilie des ölreichen Emirates Abu Dhabi benötigte in Europa Zubringer, die sich an ihrem Streckennetz orientieren und kaufte sich deshalb unter anderem bei Air Berlin ein. Im Gegenzug half sie der defizitären Airline mit direkten und indirekten finanziellen Hilfen.

Auf ähnliche Weise engagierte sich Etihad auch bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia. Die steht nun jedoch kurz vor der Pleite. Etihad hatte einst 49 Prozent der Alitalia-Anteile übernommen und auf eine schnelle Sanierung sowie Wachstum gesetzt. Das Gegenteil ist eingetreten - und Alitalia ist genau wie Air Berlin zum Milliardengrab für Etihad geworden.

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