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Agrar - Wiefelstede:Ministerin will offene Diskussion über Landwirtschaft

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Hannover (dpa/lni) - Angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Änderungen für die Landwirtschaft wirbt Agrarministerin Barbara Otte-Kinast für einen gesellschaftlichen Dialog. "Es sollen sich alle beteiligen", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Ihrer Ansicht nach sind die Bauernproteste Ausdruck wachsender Ansprüche an die Landwirte. Im vergangenen Winter gab es viele Demonstrationen von Landwirten vor Lagern des Lebensmittelhandels. Für Donnerstag ist erneut eine Protestaktion vor einem Edeka-Lager in Wiefelstede im Landkreis Ammerland geplant.

"Die gegenwärtige Wirtschaftsweise ist in Frage gestellt, das, was Landwirte seit Generationen machen, das hinterfragen viele, wahrscheinlich auch zu Recht", sagte Otte-Kinast. Sie sehe ihre Aufgabe darin, einen Dialog zwischen den Landwirten und den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu ermöglichen. Neben der Landwirtschaft sollten sich Natur- Tier- und Klimaschützer ebenso beteiligen wie Lebensmittelverarbeiter und Verbraucher. Die Landwirtschaft müsse wieder in die Mitte der Gesellschaft geführt werden, sagte Otte-Kinast. Landwirte sähen sich für viele Probleme verantwortlich gemacht, von der Luft- und Wasserverschmutzung bis zum Zustand der Böden. "Aus dieser Rolle müssen wir die Landwirte wieder rausholen, sie wieder zwischen uns setzen."

Die Landwirtschaft sperre sich aus ihrer Sicht nicht gegen Veränderungen, betonte die Ministerin. Auch wenn es einen Trend weg von tierischen Produkten zu mehr veganer Ernährung gebe, brauche es noch Landwirtschaft. "Hafer für die Hafermilch und Eiweißpflanzen müssen ja auch angebaut werden." Wichtig für die Landwirte sei aber, dass sie mit ihrer Arbeit auch Geld verdienen können.

Auch die Politik müsse endlich die seit Jahren aufgeschobene Lösung von Zielkonflikten beim Bau- und Umweltrecht auflösen. "Ich hoffe, dass die Ampelparteien in Berlin in den ersten 100 Tagen in der Regierung auch liefern", sagte Otte-Kinast. Landwirte beklagen, dass etwa Stallumbauten zugunsten modernerer und tiergerechterer Ställe aufgrund von Umweltschutzbestimmungen in vielen Fällen nicht genehmigt würden.

"Wir haben eine Transformation in der Landwirtschaft vor uns, weg von der Exportorientierung, hin zu mehr Regionalität und regionalen Kreisläufen", sagte Otte-Kinast. Dazu müssten aber auch die Verbraucher ihre Lebensweise hinterfragen. Beim Gesellschaftsvertrag gehe es um die Frage, was kommt morgen auf den Tisch, wie wollen wir uns ernähren und wie wollen wir morgen leben.

Bis Mitte 2022 soll der Gesellschaftsvertrag in mehreren Schritten erarbeitet werden. 31,5 Millionen Euro sind für das Projekt mit dem Titel "Stadt.Land.Zukunft" bereits vorgesehen. Damit sollen auch Projekte finanziert werden, die von der heimischen Eiweißpflanzenproduktion reichen über Pilotprojekte für die Milcherzeugung auf Moorböden bis zur Biodiversitätsstrategie oder einem Klimalabel.

© dpa-infocom, dpa:211117-99-37810/4

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