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Agrar - Kiel:Bauernverband setzt auf Veränderungen im Ackerbau

Kiel (dpa/lno) - Der Landesbauernverband hat die Landwirte in Schleswig-Holstein aufgerufen, notwendige Veränderungen nicht zu verweigern. Als Beispiele nannte Verbandspräsident Werner Schwarz am Donnerstag in Kiel den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, sowie die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Der Bauernverband hatte vor gut zwei Jahren ein Positionspapier vorgelegt, mit dem er sich vor dem Hintergrund von Umweltbelastungen und verändertem Verbraucherverhalten zu Veränderungen in der Produktion bekannte. "Landwirtschaft hat sich immer angepasst", sagte Schwarz.

"Wir erwarten, dass unsere Berufskollegen das in ihre Ackerbaustrategie mit einbauen", sagte Schwarz zu den Positionsbestimmungen des Verbandes. Jüngere Landwirte setzten Veränderungen oft sehr aufgeschlossen um. Ältere verhielten sich da weit kritischer, nach dem Motto "Das haben wir schon immer so gemacht". Im Norden gibt es insgesamt mehr als 12 000 landwirtschaftliche Betriebe.

Beim Schwerpunktthema Einsatz von Dünger dringt der Bauernverband darauf, mit Gülle, Mist und Jauche die Bodenfruchtbarkeit zu stärken und zugleich den Verbrauch von Mineraldünger weiter zu senken. Außerdem könnten Transporte von Gülle zu anderen Betrieben verringert werden. Schwarz schätzte, dass 20 bis 30 Prozent der angefallenen Gülle woandershin gebracht werden. Im vergangenen Jahr gaben Bauern im Land rund sieben Millionen Tonnen an andere Betriebe ab. Nach den jüngsten Zahlen von 2016 hielten Landwirte in Schleswig-Holstein 1,1 Millionen Rinder und knapp 1,5 Millionen Schweine.

Die Bestände waren schon leicht rückläufig, bevor die jetzt geltenden Bestimmungen zum Einsatz von Düngemitteln in Kraft traten. Weitere Verschärfungen werden noch zusätzliche Wirkung zeigen, erwartet der Bauernverband. Vor allem die Obergrenze für die Ausbringung von organischem Dünner sei ein "scharfes Schwert".

Der Bauernverband gibt den Landwirten auch konkrete Empfehlungen, wie sie mit Restriktionen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln umgehen können. Kritisch-distanziert zeigt sich der Verband zum Aus des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat, das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für spätestens für 2022 erwartet. "Wir kaufen uns den Glyphosat-Verzicht mit anderen Nachteilen ein", sagte der Ackerbau-Experte Ludwig Hirschberg. Derzeit werde schätzungsweise ein Drittel der Flächen im Land mit Glyphosat behandelt; im Ackerbau nutze fast jeder Landwirt das Mittel. Es steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Wen Glyphosat nicht mehr eingesetzt werden darf, müsse Unkraut stärker mechanisch bekämpft werden, sagte Schwarz.

Zur Erhaltung der Artenvielfalt nutzen nach Darstellung des Bauernverbandes viele Landwirte nicht nur Förderprogramme, sondern setzen auch freiwillig Maßnahmen um. Beispiele seien das Anlegen von Blühstreifen sowie die Pflege von Knicks und Gewässern. "Viele Landwirte kümmern sich schon um dieses Thema", sagte Hirschberg.