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Agrar - Kaiserslautern:"Digital Farming" auch für kleinere Bauernhöfe geeignet

Agrar
Der Informatiker Jörg Dörr hat die neue Professur für "Digital Farming" übernommen. Foto: Fraunhofer IESE/dpa (Foto: dpa)

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Kaiserslautern (dpa/lrs) - Digitale Lösungen in der Landwirtschaft sollten nach Überzeugung des neuen Professors für "Digital Farming" in Kaiserslautern auch in kleineren Betrieben zum Einsatz kommen. "Es muss nicht immer teuer und groß sein", sagt Jörg Dörr. "Es gibt viele Ansätze, von denen auch kleine Betriebe profitieren können." Und mit Blick auf verbreitete Existenzängste von Bauernhöfen ist der seit Anfang April an der Technischen Universität Kaiserslautern wirkende Informatiker überzeugt: "Digital Farming kann dazu beitragen, dass Landwirte wieder optimistischer in die Zukunft schauen können."

Die Einrichtung der Professur wurde vom Förderverein Digital Farming ermöglicht, er finanziert die ersten fünf Jahre des Lehrstuhls. Langfristig getragen wird die Professur von der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Land. Dörr ist auch in der erweiterten Institutsleitung des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) für das Forschungsprogramm "Smart Farming" zuständig.

Im Sommersemester haben sich nach aktuellem Stand 90 Studierende für die erste Vorlesung zum "Digital Farming" angemeldet - mehr als von Dörr erwartet. In praxisnahen Projekten können sie erfahren, wie digitale Lösungen zur Anwendung gelangen. Als Beispiel nennt Dörr im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ein "Farm-Bot-System", das Radieschen oder Kresse im Labor erfasst. Wenn an einer Stelle etwas Grünes sprießt, das nicht gesät wurde, muss dies wohl ein unerwünschtes Kraut sein. Ein Greifer drückt es dann wieder in die Erde zurück. "Mit diesem Beispiel für mechanische Unkrautbekämpfung bringen wir Studierenden digitale Lösungen für mehr Nachhaltigkeit nahe", erklärt Dörr.

Denn die Senkung von Kosten ist nicht das einzige Ziel von Digitalisierung in der Landwirtschaft. "Als Forscher haben wir da eine multidimensionale Sicht", sagt Dörr. So könne Digitalisierung auch einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten. Dazu gehören etwa eine effizientere Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und ein zielgenaueres Düngen. Mit Hilfe von präzisen Geoinformationssystemen sei es denkbar, den flächendeckenden chemischen Pflanzenschutz durch gezielten Pflanzenschutz an betroffenen Stellen abzulösen. "Auch könnten Fressfeinde von Schädlingen gezielt mit der Drohne ausgebracht werden", sagt Dörr.

Der Forscher interessiert sich besonders für autonome Systeme mit der Fähigkeit zur Bilderkennung, etwa im Weinbau oder im Obstbau. So könnten Roboter in Obstpflanzungen erfassen, wie viele Blüten ein Baum trägt. Die Ergebnisse unterstützen den Landwirt bei der Entscheidung, ob Blüten ausgedünnt werden sollten. "Auch bei Ertragsprognosen können solche Informationen hilfreich sein."

Im Unterschied zur Digitalisierung in der Industrie müssen in der Landwirtschaft viele nicht kontrollierbare Umstände beachtet werden. "Das fängt mit ganz unterschiedlichen Betriebsformen an und reicht über die Besonderheiten von Bodenarten bis zu den Wetterbedingungen." Während die sogenannte Industrie 4.0 ihre digitalen Lösungen in Produktionshallen einsetzen kann, "sind wir häufig im Freien und da haben wir ganz andere Voraussetzungen", erklärt der Wissenschaftler. "Aber das macht es ja auch spannend für die Forschung", sagt der 45-Jährige und lacht.

Um der Komplexität in der Landwirtschaft gerecht zu werden, komme es darauf an, mehr maßgeschneiderte Produkte zu entwickeln, erklärt Dörr. "Es gibt selten Lösungen, die für alle gleich gut passen." Daher wolle er auch möglichst viele Betriebe erreichen und ein Feedback von ihnen hören. "Um die Anforderungen von Landwirten zu erfassen, wollen wir auch soziale Medien auswerten, etwa die Kommentare zu Youtube-Videos von Landmaschinen-Herstellern."

© dpa-infocom, dpa:210509-99-525670/2

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