Agrar - Dörverden:Hunde im Einsatz gegen Schweinepest: Land probt Ernstfall

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Mit einem Kadaversuchhund wird bei einer Praxisübung das Aufspüren von Wildschweinen trainiert. Foto: Sina Schuldt/dpa (Foto: dpa)

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Dörverden (dpa/lni) - Vierbeiner Ink schnüffelt aufgeregt im hohen Gras. Hundeausbilder Thorsten Hirschfeld hat einen Knochen eines Wildschweins im Dickicht versteckt. Das Land Niedersachsen probt mit toten Wildschweinen und Suchhunden den Ernstfall gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Wildschweine sind gefährdet, sich mit der Tierseuche zu infizieren, wie das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) zu der Praxisübung am Mittwoch in Dörverden (Landkreis Verden) mitteilte. Es sei wichtig, erkrankte oder tote Tiere frühzeitig zu finden, damit sich ein Infektionsgeschehen nicht ausbreite. Für den Menschen gilt die Afrikanische Schweinepest als ungefährlich.

24 Hunde werden nach Angaben des Hundetrainers Thorsten Hirschfeld derzeit für einen potenziellen Seuchenausbruch ausgebildet. Die Suchhunde seien in der Lage, bis zu 100 Meter weit die Kadaver zu wittern. Finden sie einen Wildschweinkadaver, entnehmen Mitarbeiter vom Veterinäramt eine Blutprobe vom Schwein, tragen die Daten in eine App ein und überspielen sie ins Labor.

Die Hunde suchen dort, wo Technik und der Mensch an seine Grenzen kommen, etwa im dichten Gebüsch. So auch Suchhund Ink, der aber nicht nach einem ganzen Schwein, sondern nach einem Wildschwein-Knochen im hohen Gras sucht. "Unsere Hunde arbeiten dafür, dass sie das kriegen, was sie am liebsten haben", berichtet Hirschfeld.

Für Niedersachsen hätte nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ein ASP-Ausbruch eine enorme wirtschaftliche Dimension. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Ausbrüche in Brandenburg ist die Gefahr leider real", sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Bundesweit werden nach Angaben des Ministeriums 24,6 Millionen Schweine (Stand 3. Mai 2021) gehalten, davon allein in Niedersachsen 9,4 Millionen.

Die Ausbildung der Hunde, die in der Regel schon Vorkenntnisse aus anderen Bereichen mitbringen, dauert ein halbes Jahr, wie Trainer Hirschfeld berichtet. Auch wenn die Hunde die Kadaver aufspüren sollen, sei es Ziel der Ausbildung, dass die Vierbeiner den Kontakt zum toten Wildschwein vermeiden, um sich zu schützen. Sonst bestehe die Gefahr, dass sie sich mit weiteren gefährlichen Krankheiten anstecken oder die Afrikanische Schweinepest weitertragen. Eine Kadaversuchhunde-Ausbildung gebe es schon in anderen Bundesländern, wie in Mecklenburg-Vorpommern.

In diesem Jahr sind nach Angaben des niedersächsischen Agrarministeriums bisher in den Laves Lebensmittel- und Veterinärinstituten Braunschweig/Hannover und Oldenburg bereits 4500 Proben von Wildschweinen untersucht worden. Alle Untersuchungen wurden demnach mit negativem Ergebnis abgeschlossen.

© dpa-infocom, dpa:210817-99-875616/4

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