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Agrar - Bösleben-Wüllersleben:Kampf gegen Dürren: Bauern loten Bewässerung von Feldern aus

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Ein Traktor fährt mit einer Sämaschine über ein Feld und zieht eine Staubwolke hinter sich her. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Bösleben/Erfurt (dpa/th) - Thüringens Bauern müssen sich wegen des Klimawandels auf häufigere Trockenheit einstellen. Dabei rückt die künstliche Bewässerung von Feldern verstärkt in den Blick. "Thüringen ist eine der trockensten Regionen Deutschlands", erklärte der Ackerbau-Experte des Bauernverbandes, André Rathgeber. Es müsse daher darüber nachgedacht werden, wie die Erträge dennoch gesichert werden könnten. Eine Möglichkeit sei der Umstieg auf andere Feldfrüchte oder bestimmte Sorten, die mit wenig Wasser auskommen. Eine andere sei die künstliche Beregnung von Äckern. Dazu prüft das Land derzeit, ob Wasserspeicher aus der DDR-Zeit reaktiviert werden können.

Denn die Bewässerung von Feldern ist für die Thüringer Landwirtschaft an sich nicht neu. Laut Rathgeber gab es zu DDR-Zeiten im Freistaat vielerorts entsprechende Anlagen. Damals ging es um den Anbau etwa von Gemüse und Kartoffeln. Wegen eines hohen Kostendrucks seien diese Einrichtungen nach der Wiedervereinigung jedoch meist aufgegeben worden. Die Speicherbecken sowie Teile der Leitungen seien aber nach wie vor vorhanden, erklärte Rathgeber.

Nach Auskunft des Erfurter Agrarministeriums gibt es 61 solcher Speicher. Sie wurden durch die ehemaligen Räte der Kreise errichtet oder gehörten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und wurden nicht an deren Nachfolger übertragen. Sie sind laut Thüringer Wassergesetz nun in der Obhut des Landes und damit der Thüringer Fernwasserversorgung.

Nach Ansicht Rathgebers gehe es nun darum zu prüfen, inwieweit sie wieder flott gemacht werden können. Das sei jeweils im Einzelfall zu prüfen. Vorstellbar sei auch eine Mehrfachnutzung nicht nur als Wasserspeicher für die Landwirtschaft, sondern auch zur Versorgung mit Löschwasser sowie den Hochwasserschutz, erläuterte der Experte. Dabei müsse geprüft werden, wie hoch der Investitionsbedarf ist und welche Fördermöglichkeiten es gebe. Letztlich müsse die Bewässerung für die Landwirte rentabel sein.

Zum Zustand der Speicher und dem möglichen Investitionsbedarf konnte das Landwirtschaftsministerium keine Aussage treffen. Dazu lägen "keine vollständigen Erkenntnisse" vor. Für eine Reaktivierung müssten eine ganze Reihe von Faktoren geprüft werden - vom baulichen Zustand und der Kapazität über Nutzungsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft, der erforderlichen Beregnungstechnik bis hin zum Interesse der Bauern und der Finanzierung, hieß es.

"Wir stehen erst am Anfang dieses Prozesses", sagte Rathgeber. Alternativen zu den Speichern seien etwa, Grundwasser zu nutzen oder Wasser aus Flüssen abzuleiten. Gerade in besonders trockenen Sommern ist das aber kaum möglich. Eine weitere Option sei die Nutzung von gereinigtem Wasser aus Klärwerken. Welche Möglichkeiten verschiedene Bewässerungssysteme haben und inwieweit sie hierzulande Anwendung finden können, sei eine der Zukunftsfragen für die Landwirtschaft und den Gartenbau im Freistaat. Darüber hat der Bauernverband am Mittwoch in Bösleben (Ilm-Kreis) mit Fachleuten aus anderen Bereichen beraten.

Auch vonseiten des Ministeriums wurde betont, dass die Bewässerung angesichts der vorhergesagten Klimaveränderungen ein wichtiger Faktor für die Sicherung der Landwirtschaft und in manchen Gebieten sogar zur Voraussetzung für den Pflanzenbau überhaupt werde. "So sehen wir gerade in Thüringer Obstbaugebieten eine besondere Bewässerungsbedürftigkeit", teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Inwieweit die vorhandenen Speicher aus DDR-Zeiten dafür genutzt werden können, werde derzeit von der Thüringer Fernwasserversorgung geprüft.

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