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Agrar - Bernkastel-Kues:Immer mehr Metall statt Holzpfähle in Weinbergen

Agrar
In einem Weinberg sind Metallpfähle in den Boden eingelassen, um die Reben zu ziehen und zu bewirtschaften. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Bernkastel-Kues/Reil (dpa/lrs) - In langen Reihen stehen die Rebstöcke an gespannten Drähten Spalier: Möglich wird das durch Metallpfähle, die zunehmend in Weinbergen zu finden sind. "Mit einem Drahtrahmen kann der Winzer im Vergleich zum Einzelpfahl 20 bis 30 Prozent Arbeitszeit sparen", sagte der Leiter Weinbau und Önologie beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel, Matthias Porten, in Bernkastel-Kues. Die traditionellen Pfähle aus Holz, an denen je eine Rebe wachse, seien auf dem Rückzug - und an der Mosel beispielsweise noch in schwer begehbaren, alten Lagen zu finden.

Was macht die Arbeit bei Metall und Draht leichter? "Die Triebe werde unter den Drähten einfach eingeschlauft", sagte Porten. Es gebe Haken, die nur umgesteckt werden müssten. Und: Man könne die Reihen mit den stabilen Metallpfählen gut mit dem Vollernter befahren. Bei Holz dagegen müsse man immer nageln - zudem gehe viel zu Bruch.

Bei neuen Anlagen werde nur noch mit metallenen Pfählen und Draht gearbeitet, sagte Porten. In den vergangenen zehn Jahren seien so an der Mosel 30 bis 40 Prozent der Weinberge umgestellt worden. Metall habe im Vergleich zu Holz zudem den Vorteil, dass es langlebiger sei. "Die Metallpfähle haben Standzeiten von gut 30 Jahren", sagte Porten.

Bei den Pfählen gebe es derzeit einen Trend zu "Edelrost-Pfählen" aus Corten-Stahl. Sie sähen "aus wie verrostet" und seien nicht verzinkt, sagte Porten. Dadurch könne es auch keinen Zinkeintrag in den Boden geben. Winzer Tobias Treis in Reil an der Mosel ist einer, der auf Corten-Pfähle setzt. 2011 und 2012 habe er bereits einen drei Hektar großen Weinberg, den Sorentberg, damit bestückt. "Das war der erste in ganz Deutschland mit Edelrost-Pfählen", sagte Treis.

Nach und nach habe er in seinem Familienweingut Julius Treis diese Pfähle auch in Weinberge, die er neu angelegt, eingebracht. Immer mehr Winzer interessierten sich für die Pfähle, die nicht nur kein Zink an den Boden abgäben, sondern auch natürlich nach Holz aussähen. Mit einem Kollegen aus Italien hat Treis eine Firma gegründet und verkauft die von dort importierten "Edelrost-Pfähle" inzwischen in ganz Deutschland. "Circa für 30 Hektar jedes Jahr", erzählte er.

Der Sprecher des Deutsche Weininstituts, Ernst Büscher, sagt: "Es ist eine Philosophie für sich, welche Pfähle man nimmt." Klar sei aber: Beim Drahtrahmen sei ein ökonomisch effizienteres Arbeiten möglich. Das sei gerade bei Winzern in Steillagen wichtig. Denn in einem Steilhang komme ein Winzer auf 1100 bis 1600 Arbeitsstunden pro Jahr. In der Flachlage seien es - je nach Mechanisierungsgrad - rund 200 Stunden. Die Fassweinpreise seien dabei ziemlich identisch.

Dementsprechend müsse ein Steillagenwinzer schauen, dass er die Effizienz seiner Arbeitsstunden steigere. Auch am Mittelrhein sei der überwiegende Teil der Reben "schon in Drahtrahmen. Und mit Metallstäben in der Regel", sagte Büscher.

© dpa-infocom, dpa:210423-99-319011/2

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