Afrikanische Schweinepest Deutschland bereitet sich auf neue Tierseuche vor

Wildschweine in einem Wildgehege in Stuttgart

(Foto: dpa)
  • In Osteuropa kämpfen Landwirte und Behörden bereits gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Nun nähert sie sich auch der Bundesrepublik.
  • Menschen kann der Erreger nichts anhaben, für infizierte Tiere ist sie dagegen meist tödlich.
  • Landwirte sprechen bereits von einem "wirtschaftlich katastrophalen Szenario". Beim Bauernverband rechnet man mit möglichen Schäden in Milliardenhöhe.
Von Markus Balser

Scharfschützen der Polizei, die Wildschweine jagen. Sperrzonen mit kilometerlangen Elektrozäunen. Zehntausende notgeschlachteter Schweine und verzweifelte Bauern, die ihre Ware nicht mehr loswerden. Was sich derzeit in einigen osteuropäischen Ländern im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) abspielt, könnte bald auch hierzulande folgen. Die Tierseuche ist nur noch wenige Hundert Kilometer von der Grenze entfernt und würde mit ihrem ersten Ausbruch in Deutschland Millionen Wild- und Hausschweine bedrohen.

Nach den jüngsten Infektionsfällen im mährischen Zlín an der tschechisch-slowakischen Grenze und in der Region um die polnische Hauptstadt Warschau fürchten hiesige Bauern, dass die Viren - übertragen von Wildschweinen - bald auch in ihren Ställen landen könnten. Die Folgen wären dramatisch. Infizierte Tiere sterben meist binnen weniger Tage. Ganze Bestände müssten geschlachtet werden. Medikamente oder eine Impfung gibt es nicht. Ist der Erreger einmal da, bekommt man ihn nur schwer in den Griff.

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"Die Seuche kommt näher", warnt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands. Menschen kann der Erreger zwar nichts anhaben, selbst wenn sie das Fleisch infizierter Tiere essen. Doch es drohe ein "vor allem wirtschaftlich katastrophales Szenario": Internationale Kunden würden ihre Aufträge stornieren, auch der deutsche Markt könnte zusammenzubrechen. Die nächste Krise für Bauern wäre programmiert. "Die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft liegen bei zwei Milliarden Euro pro Jahr", warnt Krüsken. Rechne man die Kosten für die Seuchenbekämpfung und die gesamte Ernährungsbranche hinzu, lande man schnell in "zweistelliger Milliardenhöhe".

Der Verband befürchtet gar eine neue Existenzkrise. "Käme nach der gerade bewältigten Krise nun eine neue, müsste sicher eine große Zahl von Betrieben aufgeben." Die aggressive Variante der Schweinepest kommt eigentlich aus dem südlichen Afrika. Vor zehn Jahren begann das Virus eine bislang unaufhaltsame Reise. Über Russland und Georgien, die Ukraine, Weißrussland und das Baltikum breitete es sich Richtung Westeuropa aus.

Man müsse "für den Tag X" vorbereitet sein, sagt ein Agrarpolitiker

Nun bereiten sich auch deutsche Behörden auf den Seuchenfall vor. Von einem "hohen Infektionsdruck" spricht das Bundeslandwirtschaftsministerium, lässt Handzettel an Lkw-Fahrer aus betroffenen Ländern verteilen mit der Bitte, keine Essensreste wegzuwerfen. Denn über die, aber auch über Schuhe oder Autoreifen könnte der Erreger übertragen werden. Außerdem habe man eine Übung mit den Landesministerien abgehalten, um die Kommunikation zu verbessern.

In der betroffenen Branche wächst dennoch der Ärger, dass der Bund nicht mehr zur Prävention tut. Die Situation sei besorgniserregend, sagt Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck. Der Bauernverband fordert vor allem, den wegen des zunehmenden Maisanbaus stark gewachsenen Wildschweinbestand mit intensiverer Jagd zu reduzieren. Jäger sollten mit Prämien dazu motiviert werden, mehr Wildschweine zu schießen. Man müsse "für den Tag X" vorbereitet sein, sagt ein Agrarpolitiker. Die Frage sei nicht mehr, ob der Erreger über die Grenze komme - sondern wann.

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