Entwicklungspolitik:Wie der Pakt der guten Hoffnung läuft

A man tends to small cocoa trees at a cocoa nursery in Ghana West Africa Africa PUBLICATIONxINxGER

Eine Kakaoplantage in Ghana: Hier entsteht Bio-Schokolade - vielleicht sogar gefördert durch den "Pakt mit Afrika".

(Foto: Ben Langdon Photography/imago/robertharding)

Er sollte viel bewirken, der "Pakt mit Afrika": Er sollte die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Kontinent vorantreiben und so neue Perspektiven schaffen. Hat das geklappt? Am Freitag zieht Angela Merkel Bilanz.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Ohne die Förderung, sagt Julia Gause, wäre das alles schwer gewesen. Die ersten Investitionen in die Fabrik, dann der Rückschlag durch Corona. Inzwischen läuft sie aber gut: Bio-Schokolade made in Ghana, erzeugt mit Solarstrom. "2019 haben wir im ganzen Jahr zwei Container voll verschifft", sagt Gause, die Europa-Chefin des Münchner Unternehmens. Jetzt sei es ein Container im Monat, randvoll mit "Fairafric"-Schokolade. "Ein wahnsinniger Sprung", findet sie. Und geholfen hat dabei der "Compact with Africa" - ein Pakt mit Afrika.

Der Pakt geht zurück auf den G-20-Gipfel in Hamburg, 2017. Seinerzeit, in den Nachwehen der Flüchtlingskrise, sollte er die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika vorantreiben und so neue Perspektiven schaffen. Zwölf afrikanische Staaten beteiligten sich daran, neben Ghana auch Länder wie Äthiopien, Ägypten, Tunesien, Ruanda. Selbst das arme Burkina Faso ist dabei. Und an diesem Freitag lädt die Bundesregierung die Teilnehmer zum vierten Mal zur Konferenz. Denn während die G-20-Vorsitze wechseln, blieb Deutschland Schirmherr der Initiative.

Die Partnerschaft soll Reformen bei den Partnern vorantreiben, mehr noch aber die wirtschaftlichen Beziehungen. "Afrika ist nach wie vor ein Chancenkontinent", sagt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). "In den nächsten zehn Jahren wird dort so viel gebaut wie in Europa in den letzten hundert Jahren." Doch nur ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen fließen derzeit dorthin. Nötig sei eine "neue Aufbruchstimmung", findet Müller: "Auf nach Afrika!"

Dabei helfen soll ein bis zu eine Milliarde Euro schwerer "Entwicklungsinvestitionsfonds". Auch Fairafric hat auf diese Weise Kredite bekommen - zunächst zwei Millionen Euro für den Start, später noch einmal zwei Millionen, um die Folgen der Pandemie abzufedern. Mittlerweile arbeiten 66 Menschen in der Fabrik in Amanase, gut 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Accra. Hinzu kommen die Bäuerinnen und Bauern, die den Rohstoff für die Schokolade liefern. Insgesamt 21 Vorhaben sind so mittlerweile gefördert worden, sie reichen von E-Traktoren von Volkswagen, die in Ruanda getestet werden sollen, über ein System, mit dem äthiopische Schüler online ihre Abiturprüfung ablegen können - samt Gesichtserkennung. Wellpappen-Produktion im Senegal findet sich darin, aber auch medizinische Testlabore für Burkina Faso. Knapp 9000 Jobs, so wirbt die Bundesregierung, seien so geschaffen oder gesichert worden.

Das Interesse deutscher Unternehmen hat zugenommen

"Die Richtung stimmt", sagt Stefan Liebing, der Vorsitzende des Afrika Vereins der Deutschen Wirtschaft, "aber die Dimension noch nicht." Angesichts von 20 Millionen neuen Arbeitskräften, die jährlich allein durch das Bevölkerungswachstum auf den Arbeitsmarkt kämen, seien 9000 Jobs doch allenfalls ein Anfang. Es gebe aber immer noch Unternehmen, die zwar Projekte in Afrika hätten, aber keine Finanzierung fänden. Mehr Wagniskapital sei nötig, findet Liebing. "Der Fonds ist so angelegt, dass er zu vorsichtig agieren muss." Dabei sei die Wirtschaft in Afrika im Großen und Ganzen recht stabil durch die Corona-Krise gekommen, mit einem Minus von zwei Prozent im vergangenen Jahr.

Corona allerdings erschwere auch die Bewertung des Compacts an sich, sagt der Ökonom Jann Lay, der sich am Hamburger GIGA-Institut mit Globalisierung und Entwicklung befasst. Insgesamt helfe er aber. "Man kann schon sagen, dass das Interesse deutscher Unternehmen in den letzten Jahren zugenommen hat." Einige dieser Initiativen gingen auch direkt auf den Compact zurück. Auch sei es kein Fehler, sich auf bestimmte Länder zu konzentrieren: "Ihre wirtschaftliche Entwicklung strahlt immer auch auf die Nachbarländer ab", sagt Lay.

In Ghana plant auch Fairafric schon an einer Erweiterung. Eine neue Halle soll entstehen, auch neue Produktlinien. Und das nicht mehr nur für den Export. "Die Nachfrage aus Ghana selbst", sagt Managerin Gause, "wächst nämlich auch."

© SZ/pauw
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