Recycling:"Zehn bis 15 Jahre Lebensdauer sind möglich"

Top Five gebrauchter Smartphones

Gebraucht heißt noch lange nicht unbenutzbar, das gilt für Handys genauso wie für viele andere elektronische Geräte.

(Foto: reBuy/obs)

Die Ettlinger Firma AfB kauft Unternehmen gebrauchte Laptops, Handys und Drucker ab und bereitet sie wieder auf. Das reduziert Elektroschrott und schafft einen ökologischen Mehrwert. Doch nicht alle gebrauchten Geräte finden wieder einen Käufer.

Von Mirjam Hauck

In der riesigen Metallkiste liegen Tausende Handys, viele mit kaputten Displays. Einige sind deutlich in die Jahre gekommen, manche von Handyherstellern, die es schon lange nicht mehr gibt - wie das Siemens M35i. Der graue Knochen galt vor über 20 Jahren wegen seiner robusten Plastikhülle als das moderne Outdoor-Handy. Jetzt wartet es darauf, dass ein Mitarbeiter des IT-Unternehmens AfB aus Ettlingen bei Karlsruhe den Akku herausnimmt. Der Rest wird geschreddert. Und zusammen mit den anderen Kleinteilen aus geschredderten Handys, Festplatten und anderen Datenträgern an Scheideanstalten weitergeben, die daraus Gold und andere wertvolle Rohstoffe herausfischen und wieder nutzbar machen.

Die Firma AfB hat sich darauf spezialisiert, gebrauchte Handys, aber auch PCs, Laptops, Monitore und Drucker wiederaufzubereiten, neudeutsch zu "refurbishen". Das heißt, die Daten auf den Geräten werden gelöscht, Handys, Laptops und Monitore gesäubert und poliert und als Gebrauchtgeräte weiterverkauft. Im Jahr 2020 hat das Unternehmen, das rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, so mehr als 472 000 IT-Geräte bearbeitet. Dass die Geräte in Einzelteile zerlegt werden und im Schredder landen, ist nicht die Regel. "65 bis 70 Prozent können wir weitervermarkten", sagt Geschäftsführer Daniel Büchle. Das machen sie entweder über den eigenen Onlineshop oder auch in Ladengeschäften der Firma an weiteren Standorten in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Slowakei.

Die gebrauchten Geräte kauft die Firma, die als gemeinnützige GmbH organisiert ist und viele Menschen mit Behinderung beschäftigt, von Dax-Konzernen wie Heidelberg Cement, der Telekom und Siemens, aber auch von Mittelständlern oder kleinen Handwerksbetrieben. Die Preise für Handys, Laptops und Monitore variieren dabei je nach Alter und Ausstattung. So bezahlt die Firma AfB für ein iPhone X derzeit zwischen 140 und 190 Euro, für ein Samsung Galaxy S9 zwischen knapp 100 und 120 Euro und für Laptops zwischen 20 und 220 Euro.

"Fünf Jahre auf dem Buckel"

"Im Durchschnitt haben die Geräte fünf Jahre auf dem Buckel", sagt Büchle, wobei große Unternehmensberatungen Laptops meist nach drei Jahren austauschen, während Geräte, die im öffentlichen Dienst genutzt wurden, auch schon mal zehn Jahre alt sein können. "Für manche Unternehmen ist es ein Benefit, dass die Mitarbeitenden schnell neue Geräte bekommen, und da, wo der Steuerzahler hinschaut, da halten die PCs länger", so Büchle.

IT-Geräte, die lange genutzt werden, sparen wertvolle Ressourcen, Rohstoffe und CO₂ ein, sie schonen Umwelt und Klima. Dass aber vieles schnell weggeworfen wird, zeigt der E-Waste-Monitor - sei es, weil Kunden gerne das neueste iPhone haben wollen oder Handys und Co. oft nur schwer zu reparieren sind und das häufig auch noch teurer ist, als ein günstiges neues Gerät zu kaufen. 2019 wurden weltweit 52,6 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert, jeder Deutsche ist im Schnitt für 19,4 Kilogramm davon verantwortlich. Und nur 17,4 Prozent des gesamten E-Mülls wurden ordnungsgemäß gesammelt und recycelt.

Wer sich also für ein gebrauchtes Gerät entscheidet oder seine Altgeräte an einen Refurbisher verkauft, schafft einen ökologischen Mehrwert: "Zehn bis 15 Jahre Lebensdauer sind hier durchaus möglich", sagt Daniel Büchle. Auch wenn ein Laptop dann unter Umständen nicht mehr mit Windows, sondern mit dem freien Betriebssystem Linux laufe. Und vor allem auch hochwertige Laserdrucker könnten 15 Jahre oder länger genutzt werden. Und diese würden auch durchaus nachgefragt.

"Monitore müssen mittlerweile 22 Zoll groß sein"

Denn auch bei Gebrauchtgeräten gibt es begehrte und kaum verkäufliche Modelle. "Monitore müssen mittlerweile 22 Zoll groß sein, damit sie auch gebraucht gekauft werden", sagt Nicolai Gräff, der bei AfB für das Partnermanagement zuständig ist. 19-Zoll-Monitore wolle niemand mehr. Selbst Schulen, an die man Geräte spende, würden hier abwinken. Auch bei Laptops verkaufen sich große deutlich besser. "Alles unter 14 Zoll ist unverkäuflich."

Auch zwischen den Laptops und Handys, die im Onlineshop und in den Läden vor Ort verkauft werden, gibt es kleine Unterschiede. "Die optisch einwandfreien gehen in den Onlineshop", sagt Gräff, sonst gebe es zu viele Retouren. Auch wenn die Kunden eigentlich wüssten, dass es sich um gebrauchte Ware handle. Geräte, denen nicht alle Kratzer wegpoliert werden konnten, werden dann im Laden an den Mann und die Frau gebracht.

In den AfB-Läden, die es an acht deutschen Standorten wie Nürnberg, Paderborn oder Köln gibt, kaufen, so Büchle, viele Seniorinnen und Senioren ein. "In großen Elektromärkten sind sie oft überfordert." In Köln habe man das Experiment gewagt, direkt neben einem Mediamarkt einen Laden zu eröffnen, dort könne nun jeder gut sehen, dass gebraucht nicht gleich ramponiert oder unbenutzbar heiße.

© SZ
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