Süddeutsche Zeitung

Adidas:Sportlich unterwegs

Im Aufsichtsrat von Adidas sitzt erstmals eine Olympiasiegerin. Das passt in die Zeit und auch zur Strategie des Unternehmens.

Von Uwe Ritzer, Herzogenaurach

Dem Aufsichtsrat des Sportartikelherstellers Adidas gehört seit Mittwoch erstmals eine Frau an, die selbst einmal zu den besten Sportlerinnen der Welt gehörte: die frühere US-Leichtathletin Jackie Joyner-Kersee. Die vielfache Medaillengewinnerin in Weitsprung und Siebenkampf wurde anstelle des ehemaligen Daimler-Managers Herbert Kauffmann in das Gremium gewählt, der nach zehn Jahren aufhörte. Bei der virtuellen Hauptversammlung stellte sich Joyner-Kersee als Gründerin und Betreiberin einer Stiftung sowie Motivationssprecherin vor.

Wobei Adidas nicht den Eindruck vermittelt, Motivationshilfe zu benötigen. Der zweitgrößte Sportartikelhersteller ist zwar weit davon entfernt, den US-Branchenführer Nike in absehbarer Zeit einzuholen oder gar an ihm vorbei zu ziehen. Dennoch ist Adidas sehr gut in das Jahr gestartet. Vor Kurzem verpasste der Vorstand um Kasper Rorsted dem Unternehmen einen ehrgeizigen Wachstumsplan bis 2025, mit dem hübschen Namen "Own the Game".

Es sei eine Wachstums- und Investitionsstrategie, sagte Rorsted vor den Aktionären, der sich häufiger dem Vorwurf ausgesetzt sieht, vor lauter Profitmaximierung die Bereiche Produktinnovation und Marketing zu vernachlässigen. Das Gegenteil sei der Fall, so Rorsted einmal mehr, der den Umsatz bis 2025 jedes Jahr um durchschnittlich acht bis zehn Prozent und den Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen sogar um 16 bis 18 Prozent steigern will. Adidas werde 2025 verglichen mit 2021 aber auch eine Milliarde Euro mehr in die Marke investieren, so Rorsted. Vornehmlich will sich Adidas auf Fußball, Outdoor, Training und Laufsport als Produktkategorien konzentrieren. Die Digitalisierungsoffensive, die Adidas unter anderem ein enormes Wachstum im besonders margenstarken, selbstbetriebenen E-Commerce beschert, soll vorangetrieben werden. Verglichen mit 2015 hat sich das Onlinegeschäft bereits versiebenfacht.

Kritik gab es bei der Hauptversammlung daran, dass Adidas 2020 Kurzarbeitergeld in Anspruch nahm, nun aber 585 Millionen der 1,16 Milliarden Euro Bilanzgewinn als Dividende an die Aktionäre ausschüttet. Von denen allerdings hatte jedoch kaum jemand Skrupel, die drei Euro je Aktie anzunehmen. Auf Fragen, warum denn so viele kreative Köpfe Adidas zuletzt verlassen hätten und ob das Betriebsklima schlecht sei, verwies Rorsted auf die insgesamt unterdurchschnittliche Personalfluktuation und die Beliebtheit von Adidas in Arbeitgeber-Rankings.

Auf die Frage, ob der Aufsichtsratschef Thomas Rabe angesichts seiner Nebenjobs als Aufsichtsrat bei Siemens und Nestlé überhaupt genug Zeit für seinen Adidas-Job habe, antwortete dieser, man habe diesbezüglich "keine Sorge".

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Quelle:
SZ vom 14.05.2021
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