bedeckt München

Adidas:Reebok soll verkauft werden

Sportschuh von Reebok: Bald soll die Marke nicht mehr zu Adidas gehören.

(Foto: Reebok/oh)

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas will seine 2006 für 3,2 Milliarden Euro gekaufte US-Tochter Reebok loswerden. Damit ist wieder eine transatlantische Übernahme gescheitert.

Von Uwe Ritzer, Herzogenaurach

Der Sportartikelhersteller Adidas will sich von seiner US-Tochter Reebok trennen. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, ihren Verkauf einzuleiten, teilte das Unternehmen mit. Bislang war stets davon die Rede, Adidas prüfe alle Optionen, was auch einen Verbleib von Reebok im Konzern einschloss. Nun aber ist klar, dass man sich bei Adidas künftig auf die namensgebende Kernmarke konzentrieren will. "Nach sorgfältiger Abwägung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Reebok und Adidas ihr Wachstumspotenzial unabhängig voneinander deutlich besser ausschöpfen können", sagte Vorstandschef Kasper Rorsted.

Wann und an wen Reebok verkauft wird, steht noch nicht fest. Klar ist jedoch, dass sich der nach der US-Firma Nike zweitgrößte Hersteller von Sportartikeln damit seines jahrelang größten Problems entledigen wird. Einst war Reebok, 1895 in Großbritannien gegründet, eine der führenden Sportartikelmarken der Welt. Vor allem die Fitness-Bewegung in den 1980-er Jahren mit ihrer Ikone Jane Fonda machten das Label mit Sitz in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts bekannt und beliebt. 2006 kaufte Adidas Reebok für umgerechnet 3,2 Milliarden Euro und hoffte dadurch den Rückstand auf Marktführer Nike vor allem auf dem amerikanischen Markt zu verkleinern.

Es war wie bei Daimler und Chrysler - ein großes, transatlantisches Missverständnis

Doch wie etwa die vorherige Fusion der Autobauer Daimler und Chrysler entwickelte sich auch die Übernahme von Reebok durch Adidas als großes, transatlantisches Missverständnis. Die US-Firma konnte die Erwartungen ihrer deutschen Muttergesellschaft nie erfüllen. Reebok schwächelte beständig, und alle Versuche, die Marke wieder flottzumachen, schlugen fehl. 2016 wurde der letzte Versuch gestartet; "Muscle Up" hieß das Programm, mit dem es zumindest gelang, Reebok vornehmlich als Fitness- und Frauen-Marke zu positionieren und den Abwärtstrend umzukehren. Die Adidas-Tochter wuchs wieder leicht und wurde profitabler, allerdings stagnieren die Verkäufe seit Jahren.

Vor allem aber waren die Zuwächse bei weitem nicht mit jenen von Adidas zu vergleichen. In der Konzernzentrale in Herzogenaurach wurde Reebok immer mehr als Klotz am Bein empfunden, der viele Management-Ressourcen bindet. In den vergangenen Monaten wurde ein Verkauf immer wahrscheinlicher, vor allem als Adidas kurz vor Weihnachten 2020 Reebok öffentlich auf den Prüfstand stellte. Nun sagt Konzernchef Rorsted, man werde "in den kommenden Monaten mit Hochdruck daran arbeiten, eine erfolgreiche Zukunft für die Marke Reebok und das Team dahinter zu gewährleisten".

Kaufinteressenten für Reebok scheint es einige zu geben. Die chinesische Anta-Gruppe, zu der die Sportartikelmarke Fila gehört, wird immer wieder genannt, ebenso die US-Markengruppe VP Corporation (u.a. Vans, Timberland, The North Face, Wrangler), sowie die Finanzinvestoren Permira und Triton. Erstaunlicherweise hat Reebok im Basketball- und Showgeschäft in den USA viele Fans. Der Ex-NBA-Star Shaquille O'Neal bekundete bereits vergangenen Sommer sein Übernahmeinteresse, an Weihnachten liebäugelten auch der US-Rapper und Musikproduzent Master P. gemeinsam mit dem Ex-Basketballer Baron Davis öffentlich mit einem Kauf. Amerikanischen Medien zufolge steht ein Kaufpreis von 2,4 Milliarden Euro im Raum.

© SZ/shs
Zur SZ-Startseite

SZ PlusHausgeräte
:"Die Küche ist das neue Mallorca"

Carla Kriwet, die neue Chefin von Europas größtem Hausgerätehersteller BSH, über den Trend zu teuren Herden und großen Kühlschränken, die Lehren aus ihrem Elternhaus und den Kampf gegen Hierarchien.

Interview von Caspar Busse

Lesen Sie mehr zum Thema