Sportartikel:Adidas prüft mögliche Korruption in China

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Die offiziellen Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die EM – beide sind von Adidas. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

In einem anonymen Brief werden schwere Vorwürfe erhoben. Der Sportartikel-Konzern verspricht schnelle Aufklärung. Der Zeitpunkt aber ist denkbar schlecht.

Von Caspar Busse

Die drei Streifen sind gerade allgegenwärtig: Die Fußball-Europameisterschaft ist für Adidas eine große Marketingplattform, mit Olympia das Ereignis des Jahres. Der Sportartikel-Konzern aus Herzogenaurach ist nicht nur einer von wenigen globalen Sponsoren der EM, er stellt auch den Spielball und rüstet sechs Teilnehmerteams aus, darunter (noch) Deutschland. Zudem hat das Unternehmen am Wochenende mit Mitarbeitern groß das 75-jährige Bestehen gefeiert, zusammen mit der DFB-Mannschaft.

Doch jetzt gibt es keine guten Schlagzeilen für Adidas. Es gibt konkrete Korruptionsvorwürfe in China. Ein Konzernsprecher kündigte an, dass nun eine Untersuchung eingeleitet werde. „Adidas nimmt Vorwürfe von möglichen Compliance-Verstößen sehr ernst“, teilte er mit. Man bekenne sich in allen Märkten zur Einhaltung von Gesetzen und ethischen Standards. Bestätigt wurde, dass Adidas ein anonymes Schreiben erhalten habe, das „auf mögliche Verstöße gegen die Verhaltensregeln hindeute“. Weitere Informationen könnten derzeit nicht gegeben werden, heißt es weiter. Der jetzt bekannt gewordene Fall werde aber intensiv untersucht, von Adidas-Verantwortlichen zusammen mit externen juristischen Beratern.

China ist für Adidas einer der wichtigsten Märkte

Adidas werde in dem anonymen, angeblich von eigenen Mitarbeitern stammenden Brief konkret der Korruption beschuldigt, schrieb zuvor die Financial Times (FT). Mitarbeiter hätten „Millionen Euro“ von Lieferanten und Werbeagenturen angenommen. Der mit „Mitarbeiter von Adidas China“ unterzeichnete Brief sei laut FT kurzzeitig auch auf der chinesischen Social-Media-Plattform Xiaohongshu zu sehen gewesen. Dort werden mehrere Mitarbeiter namentlich genannt, darunter eine Managerin, die für das 250 Millionen Euro schwere Marketingbudget von Adidas in China mitverantwortlich sei. Die Mitarbeiter hätten Rückvergütungen, sogenannte Kick-backs, von Dienstleistern angenommen. Ein anderer hochrangiger Mitarbeiter werde beschuldigt, viel Geld in bar sowie Sachleistungen wie Immobilien erhalten zu haben. Belege für die Vorwürfe würden in dem Brief nicht genannt, hieß es in der FT. Es würden aber interne Adidas-Details ausgebreitet.

Adidas ist nach Nike und vor Puma der zweitgrößte Sportartikel-Konzern der Welt. China ist einer der wichtigsten Märkte überhaupt für Adidas. Zuletzt gab es hier einen Einbruch, auch aufgrund der Corona-Pandemie. Zudem gab es Boykottaufrufe gegen Adidas und andere wegen der westlichen Kritik am Umgang mit der Minderheit der Uiguren. Dem neuen Adidas-Chef Bjørn Gulden war aber die Wende gelungen. Für das laufende Jahr rechnet Adidas bislang für China wieder mit zweistelligen Wachstumsraten. Das Unternehmen führt den Aufschwung auch darauf zurück, dass sich die China-Tochter unter der Leitung des 2022 angeheuerten Landeschefs Adrian Siu stärker auf den Modegeschmack der chinesischen Kundinnen und Kunden ausgerichtet hat. Wie sich nun eine mögliche Korruptionsaffäre auswirken könnte, ist offen.

Im ersten Quartal 2024 waren der Adidas-Gesamtumsatz und der Gewinn wieder gewachsen, die Prognose wurde für das Gesamtjahr deshalb erhöht. Zuletzt gab es Ärger um die Kooperation mit dem US-Rapper Kanye West, die Zusammenarbeit wurde wegen dessen antisemitischen, sexistischen und rassistischen Ausfällen beendet. Derzeit werden noch die letzten Bestände der sogenannten Yeezy-Produkte verkauft, für Adidas war das zuletzt ein gutes Geschäft.

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